Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 318)
- Language
- German
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314 darin neuerdings über den von der Statthaltern nicht nur geduldeten, sondern auch geförderten Handel der Juden in Prag, der ihnen schweren Schaden zufüge, denunzierten die Statthalter und die Hauptleute der der Hauptstadt benachbarten Kreise, daß sie den Emigranten den Aufenthalt im verbotenen Gebiete gestatten und überhaupt die Gebote Ihrer Majestät mißachten. Die Beschwerdeschrift ließ Maria Theresia der Statthalterei in Prag mit dem Reskripte vom 18. September 1747, das in einem vorwurfsvollen, jedoch bei weitem ruhigeren Tone gehalten war, als dies sonst in ähnlichen Fällen geschah, mit dem Befehle zustellen, die anonymen Bittsteller festzustellen, deren Beschwerden zu untersuchen und über das Ergebnis an die Hofkanzlei zu berichten. Daraufhin veranlaßte die Statthalterei im Wege der Stadthauptmannschaften und Magistrate der drei Prager Städte eine Einvernahme aller Kaufleute und Professionisten, ob und in welchem Maße sie sich durch den jüdischen Handel geschädigt fühlen. Die Einvernahme der Altstädter Handelsleute ergab, daß niemand von der an die Kaiserin gerichteten Beschwerdeschrift Kundschaft haben wollte. Die Mehrzahl erklärte, daß sie die Rückehr der Juden wünsche, um weiterem Schaden zu entgehen. Von den Altstädter Professionisten erklärten die Sticker, Handschuhmacher, Sattler, Lohgerber, Perückenmacher, Posamentierer, Bürstenbinder, Weißgerber, Klempner, Kammmacher, Zinngießer, Schwarzfärber, Hutmacher, Stöckelschneider und Flaschner solidarisch, daß sie sich durch die Juden geschädigt fühlen und daß ihnen nicht anders geholfen werden könne, als wenn dieselben nicht allein Prag, sondern das ganze Land räumen müßten. Durch ihren Hausierhandel seien sie ihnen auf dem Lande weit schädlicher als in Prag selbst. Die Bäcker dagegen, die Müller, Bierverleger, Fischhändler, Apotheker, Fleischhacker, Wachszieher, Maler, Gold- und Silberarbeiter; Maurer, Geschmeidler, Schneider, Schuhmacher, Riemer, Strumpfwirker, Zimmerleute, Gürtler, Binder, Barbierer, Glaser, Kleinuhrmacher, Lebzelter, Kürschner, Schlosser, Buchbinder, Tuchscherer, Kaminfeger, Zeugschmiede, Siebmacher, Bader, Schwertfeger, Kartenmaler, Landkutscher, Musikanten, Seiler, Töpfer, Mesolanmacher, Tischler, Drechsler, Hufschmiede, Gelbgießer und Seifensieder gaben allesamt die Versicherung ab, daß sie „sehnlich wünscheten, die Juden wiederum in Prag zu haben, unter welchen Professionisten sich dann auch einige sogar dahin ausgelassen, daß wann die Juden nicht mehr nach Prag gelassen werden sollten, sie mit ihren Landesabgaben nicht fortkommen könnten." Vom Neustädter Magistrat gelangte an die Statthalterei lediglich eine von allen Zünften unterzeichnete Erklärung, „daß sie wider die Juden sich zu beschweren keine Ursach hätten."