Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 317)
- Language
- German
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313 und alleiniger Vertreter der Prager Judenschaft auf, die seit der Emigration eigentlich keine Gemeinde bilden dürfe. Eine vom Kourimer Kreisamte über Weisung der Statthalterei eingeleitete Untersuchung ergab jedoch, daß nach dem Auszuge im März 1745 die Vertreter der Prager Judenschaft, zu welchen die Brüder Frankel selbst gehörten, Koref mit der Wahrung der gemeinsamen Interessen der Emigranten bei den Behörden und mit der Verwaltung des jüdischen Lazarets betraut hatten. Die Brüder Fränkel erhielten seitens des Kreishauptmannes einen scharfen Verweis und Koref, der das volle Vertrauen des Praeses der Ausweisungskommission Grafen von Kolowrat genoß, erlangte sogar durch dessen Verwendung, daß die Statthalterei sämtliche Kreisämter am 21. Juli anwies, alle in ihrem Bereiche wohnhaften Prager Emigranten zur Leistung der Abgabe binnen 14 Tagen an Koref zu verhalten. Dieser Befehl wurde offenbar nicht allzu streng durchgeführt. Viele Emigranten entzogen sich der Zahlung. Koref sah sich daher genötigt, zwecks Beschaffung der nötigen Mittel für Lazaretbedürfnisse unter Zuziehung von drei ehemaligen Gemeindemitgliedern alles noch in den Prager Synagogen, im Bad und im Rathause befindliche Metall um 450 fl. zu verkaufen. Seine diesfällige Rechnungslegung war nach der Rückkehr der Juden nach Prag noch jahrelang Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen und Bemängelungen seitens seiner Gegner.12) Ob mit Recht oder mit Unrecht bleibe dahingestellt. Eines ist gewiß: Undank hat dieser um seine schwergeprüften Glaubensgenossen hochverdiente Mann mehr als genug geerntet. Anfangs Juli 1747 verbreitete sich, angeblich mit Zutun der Juden selbst, in Prag das Gerücht, die Kaiserin habe ihren Sinn geändert und wolle ihnen gegen Erlag einer großen Summe Geldes die Rückkehr in die Stadt gestatten. Es hieß sogar — vielleicht infolge der von Koref eingeleiteten Krankenkollekte —, daß die Juden schon «ifrig daran seien, die nötigen Summen aufzubringen. Noch vor Beginn des Winters würden sie wieder in Prag sein. Das Gerücht entsprach den Tatsachen freilich nicht. Maria Theresias Starrsinn in der Judenfrage war allen gegenteiligen, noch so begründeten Ansichten zum Trotz noch ungebeugt. Allein in ihrem bisherigen scharfen Drängen war ein gewisser Stillstand eingetreten. Besonders auffällig erschien, öaß die Kaiserin noch immer zögerte, den Termin festzusetzen, von welchem ab die sechsjährige Reduktionsfrist laufen sollte. Dies gab den Juden und jenen, die sie unterstützten, neue Hoffnung. Noch einmal wallte aber der Zorn Maria Theresias gegen die Juden und die Prager Behörden auf, allein bei weitem nicht mehr so heftig wie früher. Die Ursache war eine bei der Hofkanzlei unmittelbar eingebrachte anonyme Beschwerde von Prager Handelsleuten und Professionisten. Sie beschwerten sich 21