Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 312

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 312 (sequence 316)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2644300-2644301--0317-2644658
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

312 deuten abgewiesen, daß die Prager Emigranten sich Warenniederlagen in jenen Städten anlegen können, in denen sie übernachten dürfen. Mit einem anderen Reskripte vom 20. April drückte Maria Theresia der Statthalterei ihr Befremden aus, daß der Armeelieferant Markus Löwi mit seiner ganzen Familie immer noch in Prag wohne. Die Statthalterei rechtfertigte sich am 25. April mit dem Hinweise darauf, daß es Sache des Militärs sei, nicht nur diesen Juden, sondern auch die anderen Juden hinauszuschaffen, die nach der an den Hofkriegsrat gerichteten und zur Kenntnis der Statthalterei gekommenen Meldung des Fürsten Lobkowitz in einer bis an die 100 gehenden Anzahl angeblich ohne Bewilligung der Zivilbehörden in Prag nächtigen und sich aufhalten. Tatsächlich sei aber, wie erhoben wurde, seit ergangenem Verbot außer dem Markus Löwi, an dessen Aufenthalte lediglich das Militär Interesse habe, kein einziger Jude in der Stadt über Nacht geblieben. Ein regnerisches und kaltes Frühjahr hatte nicht nur eine starke Beeinträchtigung der Erwerbsmöglichkeit und damit auch eine wesentliche Verschlechterung der Existenzverhältnisse der Prager Emigranten, sondern auch Massenerkrankungen derselben im Gefolge, die nachgerade einen bedenklichen Umfang annahmen. Das jüdische Hospital in Brandeis war bald überfüllt. Die Ausweisungskommission ließ auch das in Wolschan bestandene Lazaret wieder öffnen, allein auch dieses genügte in kurzem nicht mehr dem Bedarf. Viele arme Juden starben in ihren elenden Schlupfwinkeln, nicht wenige fanden den Tod auf freiem Felde. In dieser Zeit höchster Not und Verzweiflung ergriff Salomon Koref mit der ihm eigenen Energie die Initiative zu einer Hilfsaktion, die ihm die Mittel bieten sollte, gänzlich mittellosen Glaubensgenossen ärztliche Behandlung und entsprechende Pflege zu sichern. Er erwirkte sich am 15. Mai 1747 vom Praeses der Ausweisungskommission die Bewilligung, von den Prager Emigranten eine Abgabe für Krankenzwecke in der Höhe einer halben Kopfsteuer einheben zu dürfen, von welcher er sich zumindest 3.000 fl. versprach. Außerdem ließ er sich noch das Recht erteilen, über Gemeindegelder, die noch aus dem Vorjahre vorhanden waren, zur Unterstützung armer Kranken verfügen zu können. Seltsamerweise stießen seine guten Absichten auf Widerstand bei den eigenen Glaubensgenossen, von denen gerade vermögende Leute sich weigerten, den auf sie entfallenden Betrag zu zahlen. Insbesondere die Brüder David und Israel Fränkel lehnten die Aktion Korefs ab. Sie erhoben dagegen sogar Einspruch bei der Statthalterei. Sie wiesen darauf hin, daß Koref gegen die jüdischen Gesetze verstoße, nach welchen einem Einzelnen die Gebarung mit Gemeindegeldern nicht gestattet sei. Er spiele sich in seiner Herrschsucht förmlich als Gebieter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.