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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 311

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 311 (sequence 315)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0316-2644657
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311 mehr als 200—300 Juden täglich in die Stadt gekommen waren, nahm im Feber, welcher einen vorzeitigen Frühling brachte, der Zufluß derart zu, daß täglich durchschnittlich 500 Juden die Stadttore passierten. Um die Waren nicht alltäglich herein und hinausschleppen zu müssen, hatten sich manche Niederlagen in christlichen Häusern eingerichtet. Der immer stärker einsetzende jüdische Handelsbetrieb rief bald wieder die christliche Handelskonfraternität auf den Plan. Anfangs März richtete eine Anzahl christlicher Kaufleute und Gewerbetreibender an den General Fürsten von Lobkowitz die schriftliche Bitte, er möge die Statthalterei veranlassen, das Handelsverbot für die Juden zu erneuern und ihre Niederlagen schließen zu lassen. Gleichzeitig übergaben sie ihm ein Stück Tuch, das einer der Aufpasser der Handelskonfraternität einem Juden auf der Gasse abgenommen hatte. Lobkowitz entsprach dem Ersuchen. Er mußte sich aber von dem Vertreter des erkrankten Oberstburggrafen, Philipp Grafen von Gallas, sagen lassen, daß er durch Entgegennahme der Beschwerdeschrift seine Kompetenz überschritten habe, die sich in Judensachen lediglich auf die Ausschaffung von unbefugt in der Stadt über Nacht verbliebenen Juden beschränke. Gleichzeitig erhielten die Stadthauptleute von der Statthalterei den Befehl, die Beschwerdeführer zu zitieren und ihnen zu bedeuten, daß sie sich nicht wieder beifallen lassen sollen, sich mit solchen Klagen unter Umgehung der ordentlichen Instanz an das Militare zu wenden, sonst müßte man hierwegen zu scharfer Ahndung schreiten. Ihre Klagen über die Beeinträchtigung durch den jüdischen Handel werde man untersuchen und etwa bestehende jüdische Warenniederlagen sperren lassen. Im übrigen mögen sie selbst darüber nachdenken und Vorschläge unterbreiten, wie der Teuerung zu steuern und dem Mangel an den notwendigsten Bedürfnissen in Prag abzuhelfen wäre, wer alle die gebrauchten Sachen, alte Kleider, Schuhe, Strümpfe, Hasenbälge u. dgl. an Stelle der Juden kaufen und weiter verhandeln solle. Endlich mögen sie zur Kenntnis nehmen, daß es nicht geringes Mißfallen errege, daß sie sich weigern, Waren in die Häuser der Herrschaften und anderer Leute zu schicken, und daß sie die Dienstboten mit groben und unanständigen Worten abfertigen. Die Statthalterei ließ dann tatsächlich einige jüdische Niederlagen visitieren und sperren. Darunter aber mit einer nicht mißzuverstehenden Absicht auch die Monturenmagazine der Militärlieferanten Herz Piseks Witwe und Joachim Krausnitz, die sie aber auf Einschreiten des riekrutierungskommandos wieder öffnen ließ. Gleichzeitig schritt sie in Wien um die Befugnis ein, den Juden in berücksichtigungswürdigen Fällen die Haltung von Warenniederlagen gestatten zu dürfen. Dieses Ersuchen wurde jedoch mit dem Reskripte vom 27. April mit dem Be-

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