Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 308)
- Language
- German
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304 Prag kamen, nur auf Grund eines vom Stadthauptmanne ausgestellten Erlaubnisscheins betreten. Zwecks Verhinderung von Brand, Einbruch und Plünderung der Synagogen und der Häuser wurde vom Stadtkommandanten eine militärische Bewachung der Judenstadt organisiert. Allein schon wenige Wochen nach dem Auszug sah es darin traurig aus. Was die Soldaten nicht stahlen, raubten und verwüsteten unter ihrem Schutze andere Eindringlinge. Am 4. Oktober hatte das Sechsmänneramt der Altstadt von der Statthalterei die Weisung erhalten, unter Zuziehung von Bausachverständigen eine Untersuchung und Bewertung aller Gebäude in der Judenstadt vorzunehmen. Die Kommission, bestehend aus den Altstädter Baumeistern Johann Hrdlieka, Franz Pree und Mitgliedern des Sechsmänneramtes, fand die Judenstadt in einem derart gesundheits- und sicherheitsgefährlichen Zustande, daß sie sich weigerte, ohne entsprechende Bezahlung und Zubilligung einer monatelangen Frist zur Erstattung ihres Elaborats sich ihrer Aufgabe zu unterziehen. Am 31. Oktober erhielt aber die Kommission den strikten Befehl, ihre Arbeit binnen 14 Tagen durchzuführen. Allein zu einer ordentlichen Untersuchung und Abschätzung der Judenhäuser kam es dennoch nicht. Die Kommission behauptete, viele Häuser seien derart ineinander verbaut, daß man die zu den einzelnen gehörigen Teile nicht festzustellen vermöge. Auch seien sie durch Servitute derart mit einander verbunden, daß zum Beispiel ein einziger Eingang in 4, 5, 6 und sogar 7 solcher Häuser bestehe, daß 2—3 Häuser eine einzige Küche und einen einzigen Sezeß haben. Diese Verwirrung in baulicher und eigentumsrechtlicher Hinsicht, die sich auch durch Einsicht in die Grundbücher keineswegs lösen lasse, sei so unglaublich, daß man sich genötigt gesehen habe, eine Pauschalbewertung aller in der Judenstadt befindlichen Synagogen und Häuser, von welch letzteren die meisten aus Holz gebaut, viele schon dem Verfall nahe, aller Fenster, Türen und Schlösser, Stiegen, ja sogar der Dächer beraubt seien, mit 170.000 fl. anzugeben. Im Laufe des November 1746 waren von den Kreisämtern die Resultate der am 5. September angeordneten Erhebungen über die Zahl der in den Landstädten und auf den Landgütern wohnhaften Juden und über die durch deren Entfernung zu befürchtenden Schäden und Nachteile eingelangt. Sie waren vielfach derart unvollständig und ungenau, daß die Ausweisungskommission eigentlich nichts Rechtes damit anzufangen wußte. Sie trug sich zwar mit der Absicht, weitere Erhebungen zu veranlassen. Doch kam sie davon in der Folge wieder ab. Am 29. November urgierte Maria Theresia die Vorlage des Reduktionsvorschlags. Um ihre Ungeduld nicht unnötig zu reizen, legte am 12. Dezember die Kommission der Statthalterei, diese wiederum der