Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 307)
- Language
- German
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303 Der Graf Wallis möge daher instruiert werden, daß die Juden an ihrem Rechte nicht zu verkürzen seien. Diesem Ersuchen entsprach der Hofkriegsrat mit einem an den Grafen von Ogilvy als stellvertretenden Kommandierenden in Prag gerichteten Befehle, Allein die Juden scheinen am Wenceslai-Jahrmarkt doch irgendwie behelligt worden zu sein. Denn als der Hradschiner St. Katharina-Jahrmarkt (25. November) herannahte, richteten sie, diesmal an die Statthalterei, die Bitte, ihnen gelegentlich des Besuches dieses und auch aller späteren Jahrmärkte in Prag entsprechenden Schutz zu gewähren. Wenn auf den Märkten Türken, Heiden und alle anderen Nationen ihre Waren auslegen und anbieten dürfen, müsse dies billigerweise auch ihnen ohne jedes Hindernis gestattet sein. Die Statthalterei erließ daraufhin an die gemischte Emigrationskommission die entsprechende Weisung. Wie die Prager Juden den Herbst und den Winteranfang des Jahres 1746 im Exil zubrachten, ob sie unter ähnlichen menschenunwürdigen Unterkunftsverhältnissen wie im Jahre zuvor litten, ist aus den zur Verfügung stehenden Akten nicht ersichtlich. Da schriftliche Beschwerden in dieser Hinsicht weder seitens der Juden, noch Berichte der Kreisämter, noch auch solche seitens der Statthalterei an die Hofkanzlei vorliegen, ist vielleicht die Annahme zulässig, daß die durch das Reskript vom 20. Juni 1746 herbeigeführte Verteilung der Emigranten auf ein weiter gezogenes Aufenthaltsgebiet einigermaßen bessere Unterkunfts- und Ernährungsverhältnisse zur Folge hatte. Daß aber diese Verhältnisse keineswegs auch nur annähernd befriedigend waren, läßt sich aus dem Umstände schließen, daß auch der Winter 1746/47 den Emigranten mit Krankheiten hart zusetzte. Die Statthalterei berichtete am 29. Dezember nach Wien über die starke Zunahme der Krankheiten unter den Emigranten, worauf sie von der Hofkanzlei am 5. Jänner 1747 den Auftrag erhielt, alle Vorkehrungen gegen eine etwaige Epidemie zu treffen. Wie sah es nun in der Prager Judenstadt aus, in der alten verlassenen Heimat, an welche die bedauernswerten Exulanten mit Gefühlen weher Trauer und Resignation zurückdachten? Am 21. Juli 1746 hatte die Statthalterei dem Stadthauptmanne Grafen Breda und den Mitgliedern des Stadtrates Krauseneck und Kamberger den Auftrag erteilt, die Obsorge für die nach dem Abzüge der Bewohner gänzlich verödete Judenstadt zu übernehmen. Von der Erlaubnis, sich einen christlichen Haushalter für ihre Häuser zu bestellen, hatten nur ganz wenige Besitzer Gebrauch gemacht. Alle Zugänge der Judenstadt wurden nun bis auf einen einzigen geschlossen, alle Häuser wurden von Soldaten untersucht, ob sich daselbst nicht jemand verborgen halte, und dann ebenfalls versperrt. Ihre Häuser durften die Besitzer, falls sie nach