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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 300

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 300 (sequence 304)
Language
German
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300 sie der Ausweisungskommission einen binnen sechs Wochen vorzulegenden näheren Bericht und Vorschlag ab. Gleichzeitig konnte sie es sich aber nicht versagen, den Juden einen neuen Peitschenhieb zu versetzen. Sie sperrte ihnen das Grenzgebiet auf zwei Meilen Entfernung von der Landesgrenze, angeblich um sie an der Einschwärzung von ausländischen Waren zu hindern. Die Entscheidung der Kaiserin fand bei den Emigranten geteilte Aufnahme. Während der eine Teil der Juden in seinem durch die bisherigen Erfahrungen begreiflichen Pessimismus das neue Dekret für schlimmer als alle bisherigen hielt, da es darauf abziele, ihre Folterqualen nur zu verlängern und sie noch vor dem Abzu~ infolge fortgesetzter Abschnürung der Erwerbsmöglichkeit auch materiell zu vernichten, war der andere überzeugt, daß in der Festsetzung des sechsjährigen Abschaffungstermins eine Wendung zum Besseren zu erblicken sei und daß Zeit und Umstände Maria Theresia weitere Konzessionen abnötigen werden. Zu den Optimisten gehörten vor allem Salomon Koref mit seinem Anhang, der nicht allein mit kluger Voraussicht, sondern auch auf Grund seiner genauen Kenntnis der Stimmung und der Absichten der maßgebenden Persönlichkeiten bei der Statthalterei und der Hofkanzlei die Lage der Dinge und die Zukunftsmöglichkeiten wesentlich besser zu beurteilen verstand, als jeder andere. Übrigens scheint die Hoffnungsfreudigkeit Korefs und seiner Genossen über den Kleinmut der übrigen bald den Sieg davongetragen zu haben. Bei der Statthalterei wurde die Entscheidung der Monarchin, an die Stelle der sofortigen Ausschaffung der Juden eine allmähliche Reduktion zu setzen, mit offensichtlicher Befriedigung aufgenommen. Die Statthalter sahen darin, wenn auch keinen großen, so doch immerhin begrüßenswerten Erfolg ihres zielbewußten und geschickt verdeckten Widerstands gegen die radikalen Absichten Maria Theresias, welche sie als undurchführbar und der Wohlfahrt des ihrer Verwaltung und Fürsorge anvertrauten Königreichs als abträglich erachteten. Ihre weitere Haltung läßt erkennen, daß sie entschlossen waren, ihre Bemühungen, die Kaiserin zu weiterer Nachgiebigkeit zu veranlassen, mit gebotener Vorsicht, aber auch mit Festigkeit fortzusetzen. Der tätigen Mithilfe des Oberstkanzlers Harrach waren sie gewiß, war es doch auch seinem Einfluß zu verdanken, daß seinerzeit die Zahl der gesperrten Städte auf 25 reduziert wurde und in das Reskript vom 4. August keine weiteren Schikanen Aufnahme fanden. Auch sie waren der Ansicht: Zeit bringt Rat und Hilfe. Der Statthalterei lag vor allem daran, den Beginn des sechsjährigen Reduktionstermins so weit als möglich hinauszuschieben. Aus

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