Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 298)
- Language
- German
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294 nun auch Angehörige der Familie Frankel und ihres Anhanges zugesellt hatten,10) die vielen Krüppel und Kranken in der Stadt, unter welch letzteren sich auch einige blatterkranke Kinder und mehrere Wöchnerinnen befanden. Auch sie sollten bis Ende Juli die Stadt verlassen und vielleicht stundenweit landeinwärts geschafft werden. Salomon Koref und seine Genossen baten darum auf Grund ärztlichen Gutachtens um die Erlaubnis, die transportfähigen Kranken in das ursprünglich in Butowitz, dann in Wolschan, also noch innerhalb des gesperrten Territoriums befindliche jüdische Lazaret schaffen und die übrigen bis zu ihrer Genesung samt ihren Pflegern in Prag lassen zu dürfen. Maria Theresia bewilligte daraufhin am 13. Juli und zwar nur auf einen Monat die Unterbringung der Kranken in dem jüdischen Lazaret vor der Stadt. Dahin wurde dann eine Anzahl geschafft. Die übrigen gänzlich transportunfähigen Kranken mußten aber in Prag zurückgelassen werden. Am 31. August ordnete die Kaiserin an, auch diese nach Möglichkeit aus Prag und aus dem gesperrten Gebiet hinauszuschaffen. Es waren ihrer jedoch nur noch wenige, die daraufhin in das von Wolschan nach Brandeis verlegte Lazaret gebracht wurden. Die übrigen waren inzwischen durch den Tod erlöst worden. Über die unfreundliche, ja feindselige Haltung eines großen Teiles der Prager christlichen Bevölkerung den Juden gegenüber vor und während der Räumung der Judenstadt in den ersten Monaten des Jahres 1745 habe ich bereits in meinem eingangs erwähnten Aufsatze berichtet. Im Verlauf des ersten Exiljahres ist, wie wir wissen, in Prag zweimal der Versuch unternommen worden, den Pöbel gegen die Juden aufzuhetzen. Das erstemal geschah es, als denselben im Mai 1745 die Ausweisungsfrist auf unbestimmte Zeit erstreckt worden war, das andere Mal im Dezember desselben Jahres, als einer großen Anzahl der Ausgewiesenen wieder der Aufenthalt in der Stadt ermöglicht wurde. In beiden Fällen erfolgte der Versuch einer Aufreizung der Massen durch im Schutze der Nacht angeschlagene Plakate, beziehungsweise durch Verstreuung von Hetzzetteln in den Gassen der Stadt. Allein nicht nur die entschiedenen Vorbeugungsmaßnahmen der Behörden, sondern auch die fortschreitende Beruhigung in der Bevölkerung selbst ließen — abgesehen von einigen Insulten von geringerer Bedeutung — «lie dunklen Absichten der im geheimen tätigen Drahtzieher nicht zur Auswirkung kommen. Daß diese vor allem in der Prager Handelskonfraternität, welche sich aus der Vertreibung der Juden besonderen Gewinn versprach und jede, auch die geringste Besserung der Lage derselben mit scheelen Augen verfolgte, zu suchen waren, ist bereits angedeutet worden. Schon während der Durchführung der ersten Vertreibung