Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 293)
- Language
- German
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289 brachten. Allein auch ihre Lage scheint sich einigermaßen gebessert zu haben. So gings ohne besondere Klagen und Zwischenfälle bis in den März des Jahres 1746. Um die Mitte dieses Monats stellte Salomon Koref, der sich schon im vergangenen Sommer die, wenn auch nicht allgemein, namentlich nicht von der unter dem Einflüsse der Familie Fränkel stehenden Partei anerkannte, jedoch faktische und auch von den Behörden gebilligte Führerschaft der Judenemigranten errungen hatte und sie auch wegen seiner hervorragenden Eigenschaften verdiente, in einer Versammlung der in Prag befindlichen Juden den Antrag, es möge ein jeder Bemittelte einen Betrag von 15 fl. zur Bestreitung der gemeinsamen Auslagen und Erfordernisse beisteuern. 200 Familienväter erklärten sofort ihre Bereitwilligkeit hiezu. Eine Anzahl anderer jedoch weigerte sich, eine wie immer geartete Abgabe zu zahlen. Die Krankeninspektoren wandten sich darum an die Statthaltern mit der Bitte um die offizielle Erlaubnis, diese Abgabe einheben zu dürfen. Diese wurde ihnen auch auf Befürwortung des Grafen Philipp Kolowrat mit dem Statthalterei-Erlasse vom 29. März unter der Bedingung erteilt, daß die Abgabe nur von notorisch Bemittelten eingehoben werden dürfe, daß die Verwendung der Gelder jeweils von der Aus Weisungskommission zu genehmigen und über dieselben genaue Rechnung zu legen sei. An demselben Tage wandte sich Salomon Koref mit seinen Genossen9) an den Grafen Philipp Kolowrat mit der Bitte, die Statthalterei zu veranlassen, der Kaiserin neuerlich die furchtbare Lage der Juden zu schildern und um die Bewilligung des weiteren Aufenthalts für die bereits in Prag befindlichen und um die Erlaubnis der Rückkehr in die Hauptstadt für alle noch auf dem Lande verstreuten Juden anzusuchen. Dieser Bitte entsprach die Statthalterei mit einer erstaunlichen Schnelligkeit. Schon unterm 5. April 1746 ging an die böhmische Hofkanzlei in Wien ein Schreiben ab, in welchem auf die schweren Drangsale hingewiesen wird, denen die Juden in vergangener Zeit ausgesetzt waren, auf die physischen und seelischen Qualen, die sie jetzt erdulden müssen, auf die materiellen Verluste, die sie durch Plünderungen, durch die Ausweisung und auf andere Weise erlitten haben. Es werden eingehend die Nachteile dargestellt, welche die Vertreibung der Juden auch der christlichen Bevölkerung verursacht hat, der Niedergang der Industrie, des Großhandels und des Kreditwesens vor Augen geführt, die fortschreitende Teuerung aller Waren in Prag geschildert, welche sich die wenigen christlichen Kaufleute in unverantwortlicher Weise zu Nutzen machen, während der jüdische Kaufmann sich jederzeit mit einem geringfügigen Profit begnügt habe. Weiter wird den Juden bezeugt, daß sie sich jederzeit, in Krieg und Frieden, opferfreudig in den