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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 286

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 286 (sequence 290)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0291-2644632
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286 weiß dieses Schreiben nichts zu berichten. Es ist dies einigermaßen verständlich. Denn das Vorgehen der Prager Behörden in der Judenfrage entsprach, namentlich in der letzten Zeit, keineswegs den Intentionen der Kaiserin und die Herren Statthalter in Böhmen hatten ihr gegenüber gewiß kein ganz reines Gewissen. Allein nicht wenig Verwunderung erregt die Tatsache, daß Maria Theresia den Bericht vom 23. Dezember garnicht zu Gesicht bekam und nicht einmal das wenige erfuhr, wras die Statthalter über ihre Eigenmächtigkeit zu berichten für gut fanden. Und noch verwunderlicher ist es, daß sie auch auf keinem anderen Wege von den Prager Vorgängen Kunde erhielt. Der Bericht vom 23. Dezember hätte ihr zweifellos vorgelegt werden sollen, weil darin nicht etwa nur um die Genehmigung der getroffenen Maßnahmen, sondern ausdrücklich um eine Resolution gebeten wurde. Der Grund, warum die Hofkanzlei davon Abstand nahm, liegt auf der Hand. Die Eigenmächtigkeit der Prager Statthalterei hätte Maria Theresia zweifellos in dem Maße gereizt, daß ihren Zorn nicht nur die Prager Juden, sondern auch die verantwortlichen Persönlichkeiten in Prag und Wien schwer hätten entgelten müssen. Dies sollte vermieden werden. Es war dies ein gewagtes Spiel, allein es gelang. Denn daß in Prag den ganzen Winter über wieder eine recht bedeutende Anzahl Juden sich ständig aufhielt, die ruhig in ihren Häusern wohnten und trotz dem Handelsverbot ihrem Erwerb nachgingen, erfuhr die Kaiserin erst im folgenden Sommer. Doch davon soll noch die Rede sein. Dem von der Prager Statthalterei geäußerten Verlangen nach einer kaiserlichen Finalresolution, das heißt, nach einer endgültigen Regelung der Judenfrage, wollte der amtierende Vizekanzler, Graf Korzensky, weil er von der dringenden Notwendigkeit derselben ebenso überzeugt war wie die Herren in Prag, auch ohne Vorlage des Berichts an die Kaiserin gerecht werden. Zu diesem Zwecke griff er auf eine ihm persönlich in Abwesenheit des Oberstkanzlers Harrach seitens der Kaiserin erteilte Erlaubnis zurück, ihr gelegentlich einen Vorschlag zu unterbreiten, wie diese Frage einer Lösung zugeführt werden könnte. Er ließ einen solchen Vorschlag unverweilt ausarbeiten, da er hoffte, auf Grund desselben eine endgültige Entscheidung über das Los der Juden zu erwirken. Das Schriftstück trägt den Titel: „Anmerkungen über das Judenabschaffungswerk in denen königl. böhmischen Erblanden" und ist. vom 30. Dezember 1745 datiert. Es werden darin zunächst alle Maßnahmen angeführt, welche seit 1542 von den Herrschern gegen die Juden getroffen worden sind. Es folgen sodann in 9 Punkten Erwägungen, wie die Judenfrage den Intentionen der Königin gemäß, jedoch ohne Schädigung der Interessen des Staates und der übrigen Bevölkerung gelöst werden könnte.

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