Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 271 (sequence 275)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2644300-2644301--0276-2644617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

271 zu nehmen und keineswegs zuzulassen, daß einem oder dem andern, von wem es immer sein möge, das mindeste Unbild widerfahren möge, gestalten solches nicht nur an denen Verbrechern selbsten, sondern auch in denen Städten an denen Magistraten und auf denen Dörfern an denen Wirtschaftsämtern und Richtern, die solchen Unfug zulassen oder aber jedermann nicht genüglich gewarniget, nachdrucksamb geahndet weiden müßte." Die Juden sollten freilich den ihnen hiemit zugesicherten Schutz nicht umsonst genießen. Im Wege der mit der Ausschaffung der Juden betrauten Kommission, an deren Spitze Graf Philipp von Kolowrat stand,7) stellte die Statthalterei unterm 15. Juli 1745 an die gesamte böhmische Judenschaft das Ansinnen, zur Ausrüstung der Landesmiliz mit Schnappsäcken, Flintensteinen, Riemen und Pulverhörnern einen Beitrag zu leisten. Sie könne zwar die Juden, so schrieb die Statthalterei, mit Rücksicht auf ihre Lage nicht dazu verhalten, den Betrag v on ungefähr 9000 fl., der sonst auf sie enfallen wäre, zu zahlen, nichtsdestoweniger wäre ihnen nahezulegen, daß sie für den ihnen gewährten Schutz und für die Erlaubnis, Handel und Wandel ohnverhinderlich zu treiben, einen Beitrag leisten, der für die Landesjudenschaft mit 4000 fl. und die ehemalige Prager Judensohaft mit 2000 fl. bemessen werden könnte. Der letzteren intimierte Graf Kolowrat zu Händen des gewesenen Vizeprimators, der Vorsteher und der vermöglicheren Kontribuenten den Statthaltereierlaß am 19. Juli mit dem Bemerken, daß sie diese Aufforderung zur Beitragsleistung gewiß als „eine gewunschene Gelegenheit" begrüßen werde, „ihre immerfort alleruntertänigst bezeigende Willfährigkeit neuerlich an Tag legen zu können, umb die anseufzende Begnadigung umso ehender anhoffen zu dürfen, wann dieselbe mit einem ganz geringen und nur in einem Drittel, dast ist 2000 fl. bestehenden Quanto zu dieser Prästation zu konkurrieren sich willig finden lassen würde." In ihrem Antwortschreiben vom 30. Juli 1745 wiesen die Vertreter der Prager Juden darauf hin, wie schwer es ihnen falle, der Aufforderung nachzukommen. Ihre Mittel seien infolge der Plünderung im Herbste 1744, der Aufbringung von 160.000 fl. Gemeindeschulden und der sofortigen Bezahlung von Privatschulden völlig erschöpft, ihr Handel und Gewerbe habe arge Einbuße erlitten, der geringe Erlös für ihre Mobilien, Effekten und Warenvorräte, die sie zu Schleuderpreisen abgeben mußten, müsse zur Deckung ihres Lebensunterhalts, zur Bezahlung des Schutzgeldes, des Wohnungszinses und anderer Auslagen dienen. Die kräftigsten Kontribuenten seien völlig verstreut, sodaß man von vielen nicht einmal den Aufenthalt wisse. Dennoch aber seien die Unterzeichneten bereit, alles zu unternehmen, um der gestellten An-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.