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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 267

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 267 (sequence 271)
Language
German
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267 gäbe. Immer wieder waren sie genötigt, um Beistellung militärischer Assistenz einzuschreiten, um den alltäglich in der Früh zur Abwicklung von Geschäften nach Prag wandernden und am Abend zurückkehrenden und auch auf dem Lande ihrem Erwerb nachgehenden Juden entsprechenden Schutz bieten zu können. Ein Leben voll Schrecken und Bedrängnis aller Art war den Juden beschieden gewesen in der Zeit, in welcher sie zum Auszug rüsten mußten. Allein das, was ihnen das Exil brachte, das war ein Dasein erschütternder Not und Qual, ein Abgrund menschlichen Leides. Und doch trotz allem Ungemach, das ihnen Wohnungs- und Nahrungsnot, Unbild der Witterung und Unduldsamkeit aufbürdete, trotz der noch immer drohenden und durch ein an die mährischen Juden am 8. April 1745 ergangenes neues Ausweisungsedikt noch verstärkten Gefahr, dennoch Ende Juni 1745 auch das Land verlassen und einem noch schlimmeren Schicksal entgegenziehen zu müssen, war die Stimmung in der exulierten Prager Judenschaft im allgemeinen nicht völlig hoffnungslos. Es gab zwar genug der Furchtsamen und Kleinmütigen, die entsprechend dem damals über Maria Theresias Unnachgiebigkeit verbreiteten Spruche: „Sie ist aus Bein, drumb ist sie hart und laßt sich nit erweichen", eine Sinnesänderung der Königin für ausgeschlossen hielten. Allein die Mehrzahl der Exulanten hielt auch weiterhin fest an der Hoffnung, daß ein gnädiges Geschick die Härte Maria Theresias brechen und über kurz oder lang die Heimkehr ermöglichen werde. Von dieser Hoffnung beseelt waren vor allem die Führer der Exulanten, und nicht ohne Grund. Wußten sie ja doch ganz genau, daß nicht nur die kgl. Statthalter in Prag, allen voran der Oberstburggraf Graf Schaffgotsch und Freiherr Netolitzky von Eisenberg, sondern auch maßgebende Persönlichkeiten in der böhmischen Hof- und Staatskanzlei in Wien, ja sogar am Hofe selbst das Vorgehen der Königin mißbilligten und mit aller gebotenen Vorsicht am Werke waren, eine Änderung der Lage zu Gunsten der Juden herbeizuführen. Und war ihnen doch ebenso bekannt, wie sehr die Glaubensgenossen im Auslande bestrebt waren, durch ihre Beziehungen zu maßgebenden Faktoren der Regierungen ihrer Staaten beziehungsweise durch deren diplomatische Vertretungen am Wiener Hofe im Interesse der Ausgewiesenen zu wirken. Der an die Juden in Mähren ergangene Befehl vom 8. April 1745, sich zum Auszug vorzubereiten, hatte zwar der gesamten Judenschaft in den böhmischen Ländern einen neuen gewaltigen Schrecken gebracht, allein bald trat wieder eine gewisse Beruhigung ein. Aus Wien eingetroffene Nachrichten, die rasch sich verbreiteten, sprachen von einer türkischen Interzession. Und tatsächlich war am 13. April in Wien ein Kurier mit einem solchen Schreiben eingelangt. Weiter

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