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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 265

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 265 (sequence 269)
Language
German
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265 wertvolle Arbeit hierüber verdanken wir dem verdienten G. Wolf, dem die Möglichkeit geboten war, die Akten der böhmischen Hofkanzlei zu benützen. Wenn ich mir erlaube, die hier folgenden Ausführungen, welche sich mit dem Exil der Prager Judenschaft und ihrer Rückkehr nach Prag befassen wollen, der Öffentlichkeit vorzulegen, so geschieht dies einesteils in Erfüllung eines Versprechens, mich mit diesem Ereignis weiter zu beschäftigen, welches ich in meiner schon erwähnten früheren Arbeit gab, andernteils in der Meinung, zur weiteren Aufhellung dieses traurigen Kapitels der Theresianischen Regierungsperiode aus den reichen Fonden des Archivs des Ministeriums des Innern immerhin noch einiges beitragen zu können.2) Die Prager Juden hatten, wie schon bemerkt, zufolge des Ausweisungsediktes vom 18. Dezember 1744 am 31. März 1745 bis auf eine ganz geringe Anzahl von Nichttransportfähigen ihre uralten Wohnsitze in der böhmischen Hauptstadt völlig geräumt. Es ist nun die Frage: wohin wandten sich die vielen tausende der Ausgewiesenen, wo ließen sie sich nieder? Aus einer allerdings erst aus dem Jahre 1748 stammenden Konsignation ist ersichtlich, daß nur ein ganz geringer Teil nicht erst den mit Ende Juni 1745 festgesetzten Termin für die Abwanderung aus dem Lande abwartete, sondern sofort über die Grenzen ging. Im ganzen waren es 297 Personen, nämlich 71 Männer, 75 Frauen und 151 Kinder.3) Ein anderer, wesentlich größerer, jedoch kaum mehr als 1000 Personen zählender Teil verstreute sich in die auf dem Lamie befindlichen alten Judensiedlungen, wo die Ausgewiesenen, sofern es der Gutsherr oder der Stadtmagistrat gestattete, was freilich nicht immer der Fäll war, bei Verwandten und Geschäftsfreunden ein provisorisches Asyl fanden. Die große Menge der Prager Juden zog jedech nicht weit von der bisherigen Heimstatt fort. Sie suchten und fanden, die einen bald, die andern nach langem Umherirren, eine wenn auch oft genug ganz menschenunwürdige Unterkunft in Ställen, Scheuern, auf Dachböden und dergleichen in den Dörfern und Städten der näheren und weiteren Umgebung Prags. Geradezu überflutet waren die knapp vor den Toren der Hauptstadt liegenden Ortschaften, wie Lieben, Holeschowitz, Owenetz (Bubeneö), Dejwitz, Smichov, Koschif, Nusle, Michle und Wrschowitz. Judenfamilien in großer Anzahl beherbergten auch die weiter ab von Prag an den ins Land hinaus führenden Straßen gelegenen Ortschaften, vor allem jene an der durch den Kourimer in den Bunzlauer Kreis nordwärts laufenden Brandeiser Straße, die binnen kurzem völlig überflutet waren. Die Stadt Brandeis allein nahm weit über 2000 Juden auf und wurde derart die größte neue Judengemeind-3 18

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