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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 264

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 264 (sequence 268)
Language
German
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2G4 ligen Räumung Prags bestand und sie durchführen ließ, ungeachtet aller Beteuerungen gänzlicher Schuldlosigkeit seitens der Betroffenen, entgegen allen noch so begründeten Warnungen und Vorstellungen der böhmischen Statthalterei in Prag und der böhmischen Hofkanzlei in Wien, trotz der Fürsprache befreundeter Herrscher und anderer hochstehender Persönlichkeiten und trotz vielfachen und zum Teil sehr nachdrücklichen Interventionen seitens mehrerer diplomatischer Vertreter fremder Mächte, wie Englands, Dänemarks, Hollands, Venedigs, der Türkei u. a. Der geradezu krankhafte Starrsinn Maria Theresias bot jeder vernünftigen Erwägung und jeder noch so begründeten Vorstellung, mochte sie kommen von wem immer, unbezwinglichen Widerstand, der sogar zu ungerechtfertigten Verdächtigungen und persönlichen Beleidigungen der Intervenierenden ausartete. Nur die Erstreckung der ursprünglich vierwöchigen Auswanderungsfrist mußte sie, wenn auch widerwilig, konzedieren, freilich nicht so sehr bewogen durch die zahlreichen und eindringlichen Vorstellungen und Fürbitten, als gezwungen durch eine Reihe von Hindernissen, deren Wegräumung außerhalb ihrer Macht lag. Es war dies einerseits die absolute Unmöglichkeit, in der ursprünglich gesetzten kurzen Frist alle wirtschaftlichen Bande zwischen der christlichen Bevölkerung und den Juden zu lösen und die Steuerreste von der Judengemeinde einzutreiben, andererseits ein Hemmnis, das die Natur selbst der strikten Durchführung dts königlichen Befehls entgegenstellte, der Winter, der in den Monaten Jänner bis März 1745 in einer ganz außergewöhnlichen Strenge auftrat. Der 31. März 1745 brachte Maria Theresia endlich die Genugtuung. Prag von den Juden geräumt zu sehen. Tausende hatten allmählich schon früher die Hauptstadt verlassen und mußten, preisgegeben der Härte der Menschen und den Unbilden des Winters, Furchtbares erdulden. An diesem Tage zogen die letzten Scharen zu den Toren hinaus. Dieser Auszug und die Ereignisse, die ihm vorangegangen waren, boten ein Bild des Jammers, dem sich kein menschlich fühlendes Herz verschließen konnte. In der Stadt blieben mit ihrem Pflegepersonal nur 98 Kranke und Altersschwache zurück, von denen in der Folge 14 starben, während die übrigen nach erlangter Genesung samt ihren Pflegern ihren Familien ins Exil folgen mußten. Mit der Vertreibung der Juden aus Prag und mit der von Maria Theresia beabsichtigten Entfernung der Juden aus allen Ländern der böhmischen Krone hat sich schon eine ganze Reihe von Historikern befaßt und es ist über diese Angelegenheit, die in nahezu ganz Europa nachhaltigen Widerhall fand, viel wichtiges und interessantes Quellenmaterial veröffentlicht worden. Eine besonders aufschlußreiche und

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