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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 263

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 263 (sequence 267)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0268-2644609
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263 Das Exil der Prager Judenschaft von 1745—1748. Von Dr. J. B e r g 1. Mit dem Dekrete vom 18. Dezember 1744 ließ Maria Theresia den Befehl ergehen, daß die Juden in Böhmen bis Ende Jänner 1745 die Hauptstadt Prag und bis Ende Juni des genannten Jahres das Land zu verlassen haben, widrigenfalls ihre Entfernung unter Anwendung militärischer Gewalt erfolgen werde. Die harte Maßregel begründete das Ausweisungsdekret mit „höchst triftigen Ursachen", welche es jedoch nicht näher angab. Schon damals und auch in der Folge wurde als Hauptursache der Ausweisung das Verbrechen des Landesverrates angenommen, welches die Juden durch werktätige Unterstützung des Feindes während der bayrisch-französischen Invasion im Jahre 1741 und während der preußischen Besetzung Böhmens und seiner Hauptstadt im Herbste 1744 begangen haben sollten. Schon in einem früheren Aufsatze,1) in welchem auf Grund amtlichen Aktenmaterials die Schicksale der Prager Judenschaft während der preußischen Belagerung und Okkupation Prags und die Durchführung des Ausweisungsbefehls geschildert worden sind, habe ich darzutun versucht, daß nicht der angebliche Landesverrat der Juden die eigentliche Ursache der grausamen Verfügung war, sondern daß diese Beschuldigung lediglich den letzten Anstoß zu einer vorzeitig in Szene gesetzten Aktion gab, die für einen späteren Zeitpunkt in einigermaßen milderer Form geplant war, und daß die wahren Ursachen dieses Vorgehens zu einem Teil in der starker, persönlichen Abneigung der Herrscherin gegen das Judentum, zum andern und zwar größeren Teil in der der Judenpolitik Leopolds I. und Karls VI. entsprechenden Absicht Maria Theresias zu suchen sind, dem stetig wachsenden wirtschaftlichen Einfluß der Juden mit einem Gewaltstreich ein jähes Ende zu bereiten. Der Plan Maria Theresias, alle Juden aus Böhmen für immer zu verjagen, ist freilich nicht geglückt. Nur der erste Akt des von ihr vorbereiteten Dramas konnte vor den Augen der Zeitgenossen aufgefülirt werden, indem die junge Königin in unbeugsamer Härte auf der völ-

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