Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 260)
- Language
- German
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256 und Witwen erscheinen in dieser Eigenschaft), des weiteren ihre 1.587 Frauen und 4.255 Kinder (2.227 männlichen und 2.028 weiblichen Geschlechts), insgesamt also 8.177 Personen. Dazu kamen 1.483 Dienstpersonen (darunter 1.199 Weibspersonen), 806 Studenten und 41 vorübergehende fremde Besucher. Die Wohnverhältnisse dieser Prager jüdischen Bevölkerung waren sehr verschieden. Die höchste Bevölkerungszahl hatte das Haus Nr. 40 im II. Viertel, nämlich 152 Personen, die geringste das Haus Nr. 17 im selben Viertel, nämlich 3 Personen. Im Durchschnitt kamen auf ein jüdisches Haus 31*55 Einwohner.41) * * * Das Jahr 1729 brachte also der böhmischen Judenschaft und namentlich dem Prager Ghetto manche Erleichterung, mochte auch die antijüdische Aktion der Zwanzigerjahre des XVIII. Jahrhundertes damit nicht völlig liquidiert sein. Die Hauptgefahr aber war von der Prager Judenstadt dennoch abgewandt. Der Versuch einer Reduktion der Prager Juden, den die Regierung Karls VI. durch Einsetzung der Reduktionskommission i. J. 1714 in Anknüpfung an die Reduktionsversuche der voraufgehenden Zeit mit soviel Elan begonnen hatte, war vollständig gescheitert. Nach wie vor hatte ihre fiskalische Bedeutung die Judenschaft vor den weitreichenden Plänen des behördlichen Antisemitismus gerettet, der seine Aufmerksamkeit vorzugsweise eben dem Prager Ghetto zuwandte; diese fiskalische Bedeutung der Prager Judenschaft war wiederum ein Zeichen ihrer wirtschaftlichen Stärke. Seinen grundsätzlichen Sieg über den amtlichen Antisemitismus der nachweißenbergischen Zeit hatte freilich das Prager Ghetto mit schweren materiellen und moralischen Opfern erkaufen müssen. Es war dies ein Sieg, dem die Ruhelosigkeit und bebende Angst einiger Judengenerationen anklebte, ein Sieg, der den fast hundertjährigen Kampf um Sein oder Nichtsein keineswegs vergessen ließ. Schließlich war es bloß ein Sieg von vorübergehender Bedeutung. Die Dreißiger jähre des XVIII. Jahrhunderts, in welchen der behördliche Antisemitismus der nachweißenbergischen Zeit, ausklingt, bedeuteten lediglich eine kurze Wetterstille, der dann unvermittelt ein neuer Schlag folgte, der viel schwerer war als alle vorhergehenden Schläge, nämlich der Versuch Maria Theresias, die Prager Judenschaft mit Stumpf und Stiel auszurotten. Anmerkungen zum 7« Kapitel. *) Diese Denkschrift, betitelt „Unumbgänglich nothdringende beschwörden wieder die im Prag und auf dem Land überhaüfte Judenschaft", ist adressiert „An ein hochlöbl. zu Revidirung und Untersuchung der jüdischen Privilegien verordnete Commission" und unterschrieben „von uns gesambten Kauf- und Handelsleüthen aller dreyen Prager städte und auf dem land im