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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 255

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 255 (sequence 259)
Language
German
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255 Prager bezw. der böhmischen Judenschaft stoßen würde. Und so wurde denn die Prager Ghettokonskription, die i. J. 1726 als Einleitung zur umfassenden Reduktionsaktion gedacht war, zum Epilog der Reduktionsbestrebungen der Regierung Kaiser Karls VI. In den erwähnten Konferenzen der böhmischen Hofkanzlei und der Hofkammer wurde mehr als einmal das Bedürfnis nach einer ordentlichen und verläßlichen Judenkonskription empfunden. In Böhmen freilich war — wie bereits oben ausführlicher dargelegt wurde — die Konskription der Landjuden schon seit dem Jahre 1724 im Gange, die Prager Judenkonskription aber seit 1726, doch beide Kommissionen waren noch nicht zur Ausarbeitung eines endgültigen Elaborats vorgedrungen. Der Prager Zählungskommission harrte allerdings nur die Verarbeitung des gesamten umfangreichen Materials, das sich angehäuft hatte, bezw. die Revision und Ergänzung desselben nach den Richtlinien der Regierung. Die Abschließung der Konskriptionsaktion kam in der Konferenz der böhmischen Hanfkanzlei und der Hofkammer vom 12. Juli zur Beratung, in welcher in Gegenwart der jüdischen Delegation das Konskriptionsformular festgelegt wurde, das gleich drei Tage später der Prager Zählungskommission zuging. Das in 10 Hauptrubriken eingeteilte Formular stellte an die Spitze den Namen des Haushaltungsvorstandes' mit der Angabe, ob er das Inkolat besitze oder nicht, worauf die Namen der übrigen Familienmitglieder, der Frau und der ledigen Kinder (getrennt nach Geschlechtern) folgten. Hinter der Summe der Personen eines jeden Haushaltes sollten die Dienstpersonen angeführt werden, die beide in ehelicher Gemeinschaft in Prag wohnten, ferner die unverheirateten Dienstpersonen, die Studenten und die Kostgänger und die übrigen augenblicklichen Ghettobesucher; hinter der Summe aller in einem jüdischen Haushalt untergebrachten Personen sollte in der letzten Kolonne des Konskriptionsformulars die Beschäftigung des Familienoberhauptes angegeben werden. Nach diesem Formular wurde von der Prager Zählungskommission die Ghettokonskription bearbeitet. Ihre Arbeit ergab einen mächtigen Folianten von 300 Seiten, in welchem die wichtigsten Daten der vorhergehenden schwierigen Zählungsaktion zusammengefaßt waren. Die Bedeutung dieser Konskription ist umso größer, als dies die erste auf uns gekommene genaue Ghettokonskription ist, die in mehr als einer Richtung auf die Populationsverhältnisse der Prager Judenstadt die interessantesten Streiflichter wirft. Die Zählungskommission teilte die Judenstadt in 13 Viertel ein und fand im Ghetto unter 367 Bauobjekten 333 bewohnte Häuser. Die Gesamtzahl der Bevölkerung ohne Unterschied des Alters, des Geschlechts und der Ansässigkeit betrug 10.507 Personen. Darunter waren 2.335 Familienoberhäupter (auch Witwer

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