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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 251

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 251 (sequence 255)
Language
German
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IRI
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251 müsse, namentlich betonte er die Entfernung der fremden Juden, wies jedoch nicht bloß darauf hin, daß ein Verbot der Judenehen denn doch allzu gewaltsam sei und dem Naturrecht zuwiderlaufe, sondern auch auf andere bedenkliche Folgen dieses Verbotes. Er forderte zwar keine augenblickliche Aufhebung des Verbotes, sprach jedoch den Wunsch aus, über die zu einer Judenreduktion führenden Mittel möge mit den Vertretern der Juden verhandelt werden. Rat Widmann gab zu, das Reskript von den Judenehen sei aus Verlegenheit über die mit der Durchführung der Judenreduktion verbundenen Schwierigkeiten erlassen worden und es handle sich um eine vorläufige Maßnahme;35) er räumte die Möglichkeit ein, reicheren Juden Ehedispensen zu erteilen. Alle Beratungsteilnehmer waren sich darin einig, das Eheverbot sei hart, und über dessen Zweckmäßigkeit gingen selbst die Meinungen der Vertreter der böhmischen Kammer sehr wesentlich auseinander. Schließlich wurde der Antrag der Vertreter der böhmischen Kammer zum Beschluß erhoben, es solle über diese Sache zugleich mit der Reduktionsfrage mit eine jüdischen Deputation verhandelt werden. Hinsichtlich der jüdischen Beschwerden wegen des Pachtverbotes von Bräuhäusern, Höfen, Mühlen usw., wegen des Auftrags, anzuzeigen, aus welchem Rechtstitel sie ihre Synagogen erbaut hätten, wegen Durchführung der Verordnung bezüglich Trennung der Juden- und Christenhäuser und wegen des Verbotes, die Judenhäuser zu erweitern und zu erhöhen, sprach sich die Konferenz dahin aus, daß dies alles in die Kompetenz der politischen Behörden falle. Die Ursache der einmonatigen Pause, die nach der zweiten Zusammenkunft in den Beratungen eintrat, bildete der Entschluß, Deputierte der böhmischen und mährischen Judenschaft nach Wien zu berufen und mit ihnen einerseits über den Handel mit fremden Tuchen und Wollstoffen, anderseits über die Judenreduktion zu verhandeln. Den Beratungen mit diesen Deputierten war die dritte und vierte Zusammenkunft am 30. Juni und 12. Juli gewidmet.36) Der Delegation wurde eröffnet, daß die conditio sine qua non einer Abänderung des Verbotes des jüdischen Handels mit fremden Stoffen die Hebung der heimischen Erzeugung sei und die Notwendigkeit einer Mitwirkung der Juden hiebei,' und es wurde ihr der Vorschlag gemacht, die Juden sollten als Mitglieder in die Manufakturgesellschaften eintreten, es wurde ihr sogar angeboten, die Juden sollten sich eine eigene Fabrik bauen, wozu ihnen ein Privilegium erteilt werden würde. Die Judenvertreter erklärten, die Juden seien nicht gegen die heimischen Erzeugnisse und wollten sie künftig auch abnehmen, freilich unter der Bedingung, daß sie gut und billig sein müßten;37) sie widersetzten sich jedoch der Verpflichtung, in irgendeine Gesellschaft einzutreten oder sich eine eigene Manufaktur zu

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