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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 238

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 238 (sequence 242)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0243-2644584
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238 namentlich in den frühzeitigen Judenehen gesucht — der Jude darf nach dem Gesetze Mosis nicht im Zölibat leben —, in der Befreiung der Juden von der Militärpflieht und im Zuzug zahlreicher fremder, namentlich polnischer Juden. Ähnlich wie in Prag — so führt die Denkschrift aus — haben sich die Juden auch auf dem Lande über die Maßen verbreitet und überall den gesamten Auslands- und Hausierhandel*) an sich gezogen; selbst die Klöster verschmähen die Judendienste nicht.3) Nicht weniger dringlich klingen die Klagen der Denkschrift hinsichtlich der Unzuverlässigkeit der Juden als Schuldner von Christen.4) Und wie im Vordergrunde dieser Beschwerden und Angriffe stets das Prager Ghetto steht, so zielen ähnlicherweise auch die übrigen Klagen vor allem auf die Prager Juden ab, auf ihren Handel am Tandelmarkt und außerhalb desselben, — sogar mit christlichen Devotionalien —, auf ihre Mißachtung der christlichen Sonn- und Feiertage, auf ihren unbefugten Waffenhandel usw. Die in 20 Punkte zusammengefaßten Beschwerden gegen die Juden in der ausführlichen Denkschrift bilden trotz ihrer offensichtlichen Parteilichkeit eine sehr wichtige Quelle zur Kenntnis der Art, des Umfanges und der Methoden des jüdischen Geschäftsbetriebes in Prag; es tritt darin sehr deutlich in Erscheinung, weshalb der jüdische Handel blüht und der christliche darniederliegt. Der Grund dieses Erfolgs und Mißerfolgs beruhte jedoch keineswegs etwa auf dem Gegensatze von jüdischer Falschheit und christlicher Ehrlichkeit und Solidität, wie die Denkschrift mit aller Macht und mit allen Mitteln glauben machen möchte, sondern auf dem Gegensatze zwischen jüdischer Beweglichkeit, die sich die Methoden neuzeitlichen Handelsbetriebes zueigen gemacht, wie sie damals bereits im vorgeschrittenen Westeuropa zur Geltung kamen, und der christlichen Schwerfälligkeit, die noch an den mittelalterlichen Methoden festhielt und natürlich nicht in der Lage war, einen erfolgreichen Wettbewerb mit dem Wirtschaftsgeiste der Neuzeit aufzunehmen; daher war auch die Methode, mittels der die christliche Produktion und der christliche Handel die jüdische Konkurrenz zu brechen bemüht war, völlig mittelalterlicher Art. Verläßliche Information, sowohl im armseligen Hausierhandel als auch über die Lage auf den Weltmärkten, sicherte den Juden entschiedenes Übergewicht vor den christlichen Handelsleuten ebenso wie die Fähigkeit, den nötigen Kredit zu beschaffen und auszunützen und sich weitblickend den Marktbedürfnissen anzupassen. Die Denkschrift liefert freilich auch den Beweis vom heftigen Haß der christlichen Produzenten und Handelsleute gegen die Juden und vom Bestreben, den jüdischen Druck auf wirtschaftlichem Gebiete um jeden Preis zu beseitigen. Daher begegnen wir auch hier der Erklärung, daß die Juden durch vielfache Ubertre-

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