Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 232)
- Language
- German
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228 Bedrückung der vom Judentum zum Christentum übergetretenen Personen durch die Juden; bedenklicher freundschaftlicher Verkehr der Christen mit den Juden44) und schließlich jüdische Kuppelei. Im Schlußwort beantragten dann die Statthalter, mit der Reduktion der Prager Juden möge auch die notwendige Reduktion der Landjudenschaft Hand in Hand gehen, die sich über die Maßen ausgebreitet habe und durch ihre wirtschaftliche Konkurrenz die Christen schädige.45) Wie ersichtlich — und es wurde bereits darauf hingewiesen —, greift hier der bisher bei den verschiedenen Reduktionsversuchen bloß gegen das Prager Ghetto gerichtete Ansturm auf die gesamte in Böhmen ansässige Judenschaft über. Die Dickleibigkeit des Gutachtens machte den Statthaltern Bedenken. Sie fragten daher bei der böhmischen Hofkanzlei an, ob sie bei Wiedergabe des Berichtes der Reduktionskommission nicht etwa alle historischen Partien weglassen und sich lediglich auf den Kern der Anträge beschränken sollten. Sie erhielten die Anleitung, aus der Relation der Reduktionskommission die wichtigsten Sachen zu reproduzieren, auch aus den historischen Abschnitten, und wurden aufgefordert, ihren Bericht so bald als möglich vorzulegen.45) Die den Statthaltern zuteilgewordene Anleitung konnte nicht zur Kürzung ihres Gutachtens beitragen, da es unmöglich war, aus dem Memorandum der Reduktionskommission, das sich zum größten Teil nur auf dem sachlichen Boden der Tatsachen und Dokumente bewegte, einen wesentlich kürzern Auszug herzustellen. Und so blieb denn der böhmischen Kanzlei auf eine neuerliche Urgenz der böhmischen Hofkanzlei47) nichts anderes übrig als ihren Bericht so einzusenden, wie er i. J. 1719 ausgefertigt worden war. Am 1. April 1721 endlich tauchte das statthalterische Gutachten mit seinem mächtigen Beilagenfaszikel auf dem Tische des obersten böhmischen Kanzlers Grafen Leopold Schlick auf.48) Die Entwicklung der Anschauungen, die hauptsächlich durch Zutun des Kommerzkollegs seit dem Jahre 1715 in der Lösung der jüdischen Frage platzgegriffen hatte, entwertete die Arbeit der Reduktionskommission aus den Jahren 1714—15 zwar nicht vollständig, ließ sie jedoch nicht mehr völlig entsprechend erscheinen. Die Reduktion der Prager Judenschaft bildete nicht mehr ein geschlossenes Programm für sich, sondern bloß einen wenn auch sehr wesentlichen Teil des erweiterten Reduktionsprogramms, das die gesamte Judenschaft in Böhmen umfassen sollte. Anmerkungen zum 6. Kapitel. *) Darüber vgl. A. P r i b r a m, Das böhmische Commerzcollegium und seine Thätigkeit, Prag 1898. 2) J. Pekaf, Ceske katastry S. 170, Anm. 3.