Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 227)
- Language
- German
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223 wohl der Vorwurf, daß sich die jüdischen Ärzte neben Aderlaß auch mit Fruchtabtreibung36) befaßten. Wichtig war schließlich der Antrag, die Christen sollten vor den Juden das Vorkaufsrecht besitzen und die Privilegien der Christen allgemein respektiert werden. Wie aus all diesen Anträgen hervorgeht, stellte sich die Reduktionskommission v. J. 1714 scharf judenfeindlich ein. Ihr Memorandum ist ein charakteristisches Beispiel des nachweißenbergischen Antisemitismus, der von Widerwillen und heftigen Haß gegen die Juden strotzte. Es spiegelt sich darin klar der tiefgehende Antagonismus zweier grundverschiedener Welten inbezug auf Moral, Charakter und Kultur, welche schon jahrhundertelang in Böhmen neben-, vielmehr gegeneinander gestanden waren, ohnedaß die Hoffnung auf einen Ausgleich näherrückte, ebenso aber auch das Gefühl der Beschämung des gegenreformatorischen Katholizismus, der es zwar verstanden hatte, einer erdrückenden unkatholischen Mehrheit Herr zu werden, dem es aber nicht gelingen wollte, die verhältnismäßig geringe jüdische Minorität unterzukriegen, von der er sich im Gegenteil eingestehen mußte, daß sie gerade unter seiner Hegemonie trotz aller Hindernisse zu neuer, vorher unerhörter Entfaltung gelangt war. Ähnlich ist das Memorandum der Kommission ein sichtlicher Beweis für das Bestreben der Gegenreformationszeit, die Judentoleranz soviel als möglich einzuschränken, und ein ragender Wegweiser auf dem Wege zur völligen Vertreibung der Juden, zu der es in der Tat am Anfange der Regierungszeit Maria Theresias kam, als die bis dahin stets durch das fiskalische Interesse gehemmte politische Auffassung entschiedenes Übergewicht gewann. Im Schlußwort ihres Memorandums faßte die Reduktionskommission die natürlich stark religiös gefärbten antisemitischen Schlagworte jener Zeit zusammen. Die Untersuchung der jüdischen Bücher zeige — die Kommision berief sich hiebei auf ein jesuitisches Gutachten über die jüdische Theologie —, wie feindlich die jüdische Religion dem Katholizismus gegenüber eingestellt und von Lästerungen gegen Christus und die Jungfrau Maria erfüllt sei. Die Juden verwünschten angeblich die Christen und deren Herrscher, ihre Lehre gestatte ihnen, Christen um ihre Habe zu bringen, sie zu betrügen und zu bestehlen, christliche Kirchen zu berauben und Christen umzubringen, was ihnen gar als gottgefällig und verdienstlich gelte. Die Juden erachteten sich angeblich auch nicht für verpflichtet, mit Christen abgeschlossene Verträge einzuhalten, und ließen sich nicht eidlich binden; stellten sie sich dennoch den Christen gegenüber freundlich, so täten sie das bloß ihres Vorteils wegen, im Herzen jedoch nährten sie Haß auf Leben und Tod. Daher seien sie nicht würdig, in einer christlichen Gemeinde geduldet zu werden, und sie seien als die Erzfeinde des Christentums anzusehen; da sie „ex pura dementia et ad libitum" (aus