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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 220

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 220 (sequence 224)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0225-2644566
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220 Handels und Handwerks. Auch hier schickte die Kommission einige historische Daten voraus. Sie verwies zunächst auf die Vermehrung der Prager Judenschaft nach der Vertreibung der Juden aus Wien (i. J. 1670). wodurch der Druck der jüdischen Konkurrenz gewachsen sei, und auf die in der Folge von elf Prager Zünften erhobene Beschwerde, daß die Juden unter Verwendung zahlreicher christlicher Gesellen zum Ruin des christlichen Handwerks das Produktionsmonopol an sich gerissen, zumal da sie viele der Lasten, die den christlichen Handwerker drückten, nicht zu tragen hätten (z. B. Militäreinquartierung). Drum wurde durch Landtagsschluß v. J. 1674 die Judenkontribution um 12.000 fl. gesteigert. Lin Übergewicht der Juden im Handwerk konstatierte auch das Gutachten der Statthalter vom 9. November 1700, und aus dem gleichen Grunde forderte der Altstädter Rat bereits 1681) die Entfernung der Juden aus Prag. Ebenso meldeten i. J. 1704 die Magistrate der Prager Städte Klagen aller christlicher Handels- und Handwerksleute, daß sie ruiniert würden, da die Juden, die alles in Händen hätten, vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht Prag durchstreiften, Herrschafts- und Gasthäuser aufsuchten, bei Todesfällen Trauerkleider besorgten, fürs Militär bis auf die Flinte sogut wie alles lieferten usw.; die jüdische Kontribution sei auf die Anzahl und den Verdienst der Juden gering, am jüdischen Tandelmarkt werde außer am Sabbat trotz aller Verbote unausgesetzt auch an Sonn- und Feiertagen feilgehalten, und von den Juden kaufe namentlich das Prager Arbeitervolk und das Landvolk aus der Umgebung Prags. Diese älteren Klagen erschienen bestätigt und wiederholt in einer von den Prager Zünften der Reduktionskommission vorgelegten Beschwerdeschrift. Darin wurde namentlich darauf aufmerksam gemacht, daß die hauptsächlichste Ursache des übermäßigen Anwachsens der jüdischen Bevölkerung in den frühzeitigen Judenehen liege, daß sich die Juden lediglich auf Handel und Handwerk verlegten, daß sie verdorbene christliche Handwerker (Pfuscher, Staller) halten, daß sie unter dem Vorwande der Billigkeit Käufer anlocken, namentlich Fremde usw. Die Beschwerdeschrift wies auch darauf hin, daß der christliche Handwerker erst nach langer Zeit und nach großer Anstrengung Meister werden könne, während die Juden gleich nach ihrer frühzeitigen Eheschließung selbständig ein Handwerk betreiben, das sie pfuscherisch, d. h. außerhalb der christlichen Zunft gelernt, und ihre Frauen schachern nicht bloß am Tandelmarkt, sondern vertreiben auch Ware in der Stadt. Die Reduktionskommission schickte diese Beschwerdeschrift den Juden zu, die sich mit dem Hinweis auf ihre Privilegien rechtfertigten, daß es ihnen erlaubt sei, bis auf Waffen mit jeglicher Ware Handel zu treiben; und sie machten dabei mit Recht auf einige grundsätzliche Mängel christlicher Handelstätigkeit aufmerksam.31)

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