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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 218

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 218 (sequence 222)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0223-2644564
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218 Juden fielen dem Ghetto sicherlich zur Last und erschwerten auch bedeutend dessen Stellung gegenüber der christlichen Bevölkerung und der christlichen Obrigkeit. Man darf nicht übersehen, daß die Prager jüdischen Plutokratie — soweit man sie im Hinblick auf die damaligen Verhältnisse so bezeichnen kann — in der Tat durch die bedeutenden charitativen Beiträge nicht wenig belastet war, welche im Verein mit den christlichen Abgaben — der Kontribution — und den jüdischen, welche von der jüdischen Selbstverwaltung und von religionsgenossenschaftlichen Verpflichtungen auferlegt wurden, jahraus jahrein eine hübsche Summe ausmachten. Ebenso bildeten ferner die zahlreichen Polizeiübertretungen der armen jüdischen Bevölkerung, welche im schweren Kampfe um das tägliche Brot nicht selten zu unerlaubten Mitteln griff, eine endlose Kette eher steigender als sinkender Spannung zwischen dem jüdischen und dem Altstädter Magistrat. Diese von der jüdischen Armut begangenen Übertretungen wurden überdies auf christlicher Seite viel strenger beurteilt, als es ihr objektiver Tatbestand erforderte, und auch der Schutz, den der jüdische Magistrat aus freiwilliger oder notgedrungener Solidarität allen Mitgliedern des Ghettos angedeihen ließ, rief bei der christlichen Gesellschaft, an erster Stelle jener der Altstadt, nicht geringe Erbitterung hervor. Doch die Säuberung des Ghettos vom jüdischen Proletariat konnte das Hauptziel aller Reduktionspläne nicht fördern, die jüdischen Konkurrenz nicht schwächen. Der Abzug der Armut hätte zwar den über die Maßen beengten Wohnverhältnissen des Ghettos fühlbar Luft gemacht und hätte auch dessen hygienische Bedingungen gebessert, was natürlich im Hinblick auf die häufigen Pestepidemien sehr wichtig war; er hätte auch sehr nachhaltig die Ziffer der Polizeiübertretungen herabgesetzt, die bis dato das Ghetto als ganzes bemakelt hatten. Zur Schwächung des jüdischen Handels und Handwerks konnte jedoch eine solche Reduktion nur recht wenig beitragen, wiewohl nicht außeracht zu lassen ist, daß bei den jüdischen Krämern und Trödlern nicht bloß die Prager christliche Armut, sondern auch das Bauernvolk aus Prags Umgebung seinen Bedarf deckte. Das gerade Gegenteil war der Fall: die Juden, unter deren Konkurrenz die christlichen Handels- und Handwerksleute am meisten litten, die Plutokratie des Prager Ghettos, die gleichzeitig dessen Patriziat darstellte und auch dessen Verwaltung in ihren Händen hatte, sollte auch fürderhin verbleiben; auf ihre Schwächung war freilich im letzten Antrag des Memorandums der Reduktionskommission Bedacht genommen worden. Eine gewisse Ungleichmäßigkeit zwischen dem Kommissionsantrag auf Reduktion der jüdischen Bevölkerung Prags und jenem auf Reduktion des Ghettoumfangs lag darin, daß die Kommission von 310 restituierten Judenhäusern ausging, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß durch

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