Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 206

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 206 (sequence 210)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2644300-2644301--0211-2644552
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

206 als ersten Versuch einer auf aktenmäßiger Grundlage ausgearbeiteten Geschichte des Prager Ghettos bezeichnen, der seiner Unzulänglichkeit und Unvollständigkeit zum Trotz und unbeschadet seiner durch die Fragestellung des Reskripts vom 8. Jänner 1714 bedingten Einseitigkeit auch heute noch nicht an Wert eingebüßt hat und erst durch die vorliegende Arbeit wenigstens teilweise ersetzt wird. Ebenso gebührt auch dem heuristischen Bemühen der Kommission großes Verdienst um die Geschichte der Prager Judenschaft.12) Vom großen Umfange der Arbeiten der ReduktionsKommission zeugt auch der Umstand, daß ihr eine besondere Kanzlei zu Gebote stand, die vom Aktuar Wenzel Rudolf Wieschin von Klarenburg geleitet wurde. In dieser Kanzlei wurde das gesamte nach und nach zusammengetragene Material konzentriert, auch hier teilweise abgeschrieben, wie diese Kanzlei überhaupt alle mit der Kommissionstätigkeit zusammenhängenden Manipulationsarbeiten besorgte. Die Kommission wandte natürlich ihre Aufmerksamkeit auch den i. J. 1690 angefertigten Plänen der Judenstadt zu; der erste davon, der den Ghettoumfang vor dem Brande festhielt, diente jetzt der Reduktionskommission zur Einzeichnung ihres Reduktionsplanes der Judenstadt; die Lösung dieser Aufgabe war den Baumeistern Jakob Conavalle und Paul Bayer13) zugewiesen. Wie im einzelnen die Arbeiten der Kommission vor sich gingen, läßt sich heute natürlich nicht feststellen, da sich ihre Protokolle, die laut Verordnung des Reskripts vom 14. Jänner regelmäßig an die böhmische Hofkanzlei eingesandt werden sollten, nicht erhalten haben. Doch zeugt von der tüchtigen Arbeit der Kommission ihr Endelaborat, das binnen Jahresfrist, in der zweiten Märzhälfte des Jahres 1715, den Statthaltern vorgelegt wurde. Das Original dieses von sechs Mitgliedern der Reduktionskommission und ihrem Aktuar unterzeichneten Elaborats zählt 232 Seiten gefälliger Handschrift und enthält neben 140 Beilagen alle bisherigen Pläne des Prager Ghettos samt dem neuen Plan der Reduktionskommission beigeschlossen. Die Disposition des Memorandums deckt sich völlig mit der Disposition des Reskripts vom 14. Jänner 1714.14) In seinem ersten Teile schildert das Memorandum auf 74 Seiten die Versuche um Reduktion der Prager Juden vom Jahre 1679 bis zum Jahre 1709. Die chronologisch angelegte Skizze stützt sich auf die 83 beigeschlossenen Beilagen, die auch für unsere Schilderung in den vorhergehenden Kapiteln die Unterlage bildeten; an mancher Stelle mußte dieser Kommissionsauszug heutzutage verlorene Akten ersetzen. In dem in vier Abschnitte zerlegten zweiten Teile wird zunächst eine Art Übersicht der Geschichte der Prager Juden geboten, die sich für die ältere Zeit auf den „bedeutendsten und glaubwürdigen" Chro-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.