Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 209)
- Language
- German
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205 läßliche Grundlage betrachtete. Die neue Konskription sollte unter Kerkerstrafe in der kurzen Zeitspanne einer Woche fertig sein und sollte nicht bloß alle in Prag anwesende jüdische Bevölkerung umfassen, sondern auch die etwa vor der Pestseuche geflüchtete. Im Verzeichnis sollte sorgsam zwischen einheimischen und fremden Juden unterschieden werden und bei diesen sollte neben ihrer Herkunft auch die Dauer ihres Prager Aufenthaltes angegeben werden; bei allen Juden sollte auch die Beschäftigung angemerkt werden, ferner die Ansässigkeit und die Kontributionshöhe. Die vorbereitete Konskription sollte nach Ausweis der vorgeschriebenen Rubriken von allen bisherigen die gründlichste sein.10) Die der Reduktionskommission mit Reskript vom 8. Jänner 1714 übertragene Aufgabe war sicherlich sehr umfangreich und mühsam. Schon das Zusammentragen der versplitterten Amtsakten zur Judenfrage erforderte keine geringe Arbeit, zeitigte aber immerhin einen bemerkenswerten Erfolg, mochte sie auch nicht zu einem vollen Erfolge führen. Die Grundlage boten wie gesagt die Akten der böhmischen Hofkanzlei in Wien. Die Kommission ließ ferner nach Ergänzungen in den Prager Registraturen forschen, unter denen ihr namentlich die Registratur der Statthalterkanzlei umfangreicheres Material darleihen konnte, das natürlich zu einem bedeutenden Teil mit dem aus Wien zugeschickten Material korrespondierte; eine sorgfältigere Durchsicht der Gubernialregistratur hat dann, wie aus den Beilagen des Memorandums der Reduktionskommission hervorgeht, das Material der Kommission auch durch Akten aus der Zeit vor dem Jahre 1689 nicht unerheblich vermehrt. Einige Nachrichten wurden auch aus der Registratur des Altstädter Magistrats gewonnen, und in der erzbischöflichen Registratur wurden ebenfalls die nötigen Akten hervorgesucht.11) Doch damit gab sich die Kommission noch nicht zufrieden; sie stellte auch die wichtigsten chronikalischen Nachrichten über den Aufenthalt der Juden zu Prag von der ältesten Zeit bis zum XVI. Jahrhundert zusammen — von dieser Zeit an konnte sie sich auf amtliche Schriften stützen —; besondere Aufmerksamkeit schenkte sie den jüdischen Privilegien. Die böhmische Kammer hatte es wie gesagt abgelehnt, der Reduktionskommission ihr wertvolles und umfangreiches Material zur Verfügung zu stellen; mochte sich dieses auch immerhin mehr auf die wirtschaftlichen und kontributioneilen Verhältnisse der Juden und natürlich auch auf ihre Selbst Verwaltung beziehen, so fehlte es darin auch nicht an Akten, die auf die Reduktionspläne bezugnahmen. Trotzdem gelang es der heuristischen Tätigkeit der Kommission dennoch, einige hundert sehr wichtige amtliche Akten zusammenzubringen, auf denen namentlich die historischen Partien ihres Memorandums aufgebaut wurden. Diese historischen Partien des Memorandums kann man gewiß ohne Übertreibung