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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 204

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 204 (sequence 208)
Language
German
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IRI
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204 machten, starben 315 Personen. So sank zu Beginn des Jahres 1714 die Bevölkerung der Prager Judenstadt auf 7.832 Personen.6) Gegen die Errichtung einer neuen Reduktionskommission hatte merkwürdigerweise die Hofkammer nichts einzuwenden; sie erklärte hfl Gegenteil die Durchführung der Reduktion für ein sehr nützliches Werk.7) Auch die Statthalter, welche damals der Pest halber in Pilsen weilten, gaben am zweiten Tag nach Erhalt des Reskripts, am 15. Janner, den Kommissionsmitgliedern den Inhalt der kaiserlichen Verordnung bekannt und forderten sie auf, die ihnen auferlegten Arbeiten sofort aufzunehmen. Die Konstituierung der Kommission und ihre anfängliche Tätigkeit wickelten sich nicht ohne Schwierigkeiten ab, mochte auch die Kommission, wenn auch nicht vollzählig, ihre Wirksamkeit zeitig genug beginnen. Einmal war es die Pestseuche, vor der die Behörden aus Prag geflüchtet waren, dann war es der Vertreter der böhmischen Kammer Baron Brandlinsky, der wiederholt den Wunsch äußerte, der Kommissionmitgliedschaft enthoben zu werden, wiewohl die Hofkammer sein Ansuchen wiederholt abwies;8) in der Tat erschien Brandlinsky lediglich in einer Kommissionssitzung, sodaß die böhmische Kammer — vermutlich mit Absicht — von der Mitwirkung an den Reduktionsarbeiten ausschied. Es war übrigens nicht zum erstenmal, daß die böhmische Kammer, die keine Änderung im jüdischen Status quo wünschte, durch eine derartige Taktik die Gefahr vom Prager Ghetto abzuwenden bemüht war. Die Anfangsarbeiten der Reduktionskommission waren vor allem darauf gerichtet, alle auf die jüdische Frage bezüglichen Akten zusammenzutragen. Für die erste Orientierung genügten die Akten der böhmischen Hofkanzlei; die Kommission war darum bestrebt, dieses Material in erster Linie durch Akten aus der Registratur des Guberniums und des Altstädter Magistrats zu ergänzen. Doch fielen diese Recherchen nicht eben günstig aus. Unter den Gubernialakten fand man für den ersten Augenblick Schriftstücke zur Judenfrage erst ab 1689 und der Altstädter Magistrat konnte lediglich einige Fragmente beisteuern. Die Kommission hoffte nunmehr, Nachrichten über die älteren Reduktionsversuche in der Registratur der böhmischen Kammer vorzufinden; sie täuschte sich jedoch in dieser Erwartung. Die böhmische Kammer erklärte im Wege der Hofkammer, daß sie die verlangten Akten in ihrer Registratur nicht besitze, und verwies auf die Registratur der böhmischen Kanzlei.9) Am 9. Feber 1714 setzte die Reduktionskommission auch die Prager Judenältesten von ihrer Einsetzung und von der ihr übertragenen Aufgabe in Kenntnis, indem sie ihnen gleichzeitig die Durchführung einer neuen Konskription auftrug, die sie für ihre Reduktionsarbeit als uner-

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