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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 203

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 203 (sequence 207)
Language
German
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IRI
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203 oder sonst hinsichtlich der Juden verfügt worden, was für Projekte zu ihrer Reduktion ausgearbeitet und inwiefern sie durchgeführt worden seien. Dieser Abriß einer Geschichte der Prager Juden sollte dann von einigen Anträgen begleitet sein: 1. wie sich am zweckmäßigsten eine Absonderung der Judenstadt von den Christenhäusern durchführen ließe; 2. wie eine Reduktion der Juden durch Entfernung der unnützen Personen einzurichten wäre und welche Maßnahmen zu treffen wären, um in Zukunft die Zahl der Prager Juden nicht wieder übermäßig anwachsen zu lassen; 3. wie die jüdische Konkurrenz auf wirtschaftlichem Gebiete zu beschränken wäre.4) Aus dem Programm des Reskripts vom 8. Jänner 1714 ergibt sich klar die Kontinuität der vorhergehenden Reduktionspläne mit dem vorliegenden Plan. Nach wie vor dreht es sich um die Herabsetzung der Zahl der Prager Judenschaft und um deren feste Stabilisierung, und nach wie vor stehen dabei zweierlei Interessen gegeneinander: das fiskalische Interesse, welches die bisherige Kontributionsfähigkeit des Prager Ghettos erhalten wissen wollte, und das Bestreben, die jüdische Handelstätigkeit zugunsten der christlichen Bürgerschaft zu unterbinden. Die Gegenläufigkeit dieser Interessen hatte es bisher in erster Linie verursacht, daß vorläufig alle Reduktionsversuche erfolglos blieben, und das Hauptverdienst daran hatten die beiden Kammern, die unentwegt den Bedarf des königlichen Fiskus wahrnahmen. Durch Einsetzung der neuen Reduktionskommission wurde in bedeutendem Maße die Tätigkeit der i. J. 1711 zur Ausarbeitung von Anträgen hinsichtlich der jüdischen Verwaltung und Gemeindewirtschaft5) eingesetzten Judenkommission lahmgelegt. Das wichtigste Elaborat dieser Kommission bildet eine Konskription des Ghettos, die zunächst zu dem Ende vorgenommen wurde, um für Reduktionszwecke die Kontributionskraft der Prager Juden festzustellen. Die erhaltenen summarischen Daten dieser Konskription, die nach eingebürgertem Brauch von den Judenältesten durchgeführt und Ende Jänner 1714 von den Kommissären den Statthaltern vorgelegt wurde, erfassen jedoch nicht bloß die Zahl der großen und kleinen Kontribuenten sowie die Gesamtzahl der ganzen Ghettobevölkerung, sondern auch die Zahl der Opfer der Pestseuche, welche i. J. 1713 eine bedeutende natürliche Reduktion der Prager Juden herbeiführte. Die Konskription zählte im Ghetto insgesamt 11.535 Personen; davon erlagen der Pest 3.703 Personen, also fast ein ganzes Drittel der jüdischen Bevölkerung, obwohl sich 2.071 Personen durch rechtzeitige Flucht aus Prag in Sicherheit gebracht hatten. Von insgesamt 1.166 angesessenen hohen Kontribuenten starben 330 Personen; unter den angesessenen kleinen Kontribuenten, die bloß drei Schock zahlten und die im ganzen 870 Personen aus-

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