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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 201

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 201 (sequence 205)
Language
German
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201 daß der judenfeindliche Standpunkt der christlichen Erzeuger und Handelsleute bis auf die böhmische und die Hofkanzlei auch in amtlichen Kreisen überhandnahm. So bezeichneten gleich zu Beginn der Regierungsbestrebungen um Hebung des böhmischen Handels, i. J. 1699, die Statthalter des Königreiches Böhmen die Juden als das erste Hindernis einer Entfaltung des Handels und forderten ihre Abschaffung. Zu gleicher Zeit stimmte ihnen das Memorial eines führenden Kommerzialisten jener Zeit bei, des böhmischen Kammersekretärs Johann Borzek. Seitdem kehrt dann in den Erörterungen über die Erhöhung der Produktivität des böhmischen Handels unausgesetzt der Antrag wieder, die Juden entweder ganz abzuschaffen oder wenigstens ihre Anzahl herabzusetzen. Es wäre natürlich unrichtig zu meinen, die judenfeindlichen Argumente wirtschaftlichen Charakters datierten erst von dieser Zeit; ebenso ist die Behauptung2) irrig, der „eigentliche" Kampf gegen die Juden beginne in Böhmen erst zu Anfang des XVIII. Jahrhundertes, seit Errichtung des Kommerzkollegs bzw. seit Einsetzung der ständischen Kommission zur Verbesserung des böhmischen Handels und der böhmischen Industrie i. J. 1705. Das geht aus den vorhergehenden Kapiteln ganz deutlich hervor. Wenn bereits zu Anfang des XVII. Jahrhunderts die jüdische Konkurrenz unter den Beweggründen für eine Vertreibung der Juden aus Prag an erster Stelle stand — dieselbe Beschwerde finden wir schon im vorhergehenden Jahrhundert —, so stehen auch seit Beginn der nachweißenbergischen Zeit, schon während des 30jährigen Krieges, Klagen auf die jüdische Konkurrenz im Vordergrunde, um in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts noch lauter und dringlicher zu werden. Und dieselbe Chronologie gilt hinsichtlich des antijüdischen Reduktions- und Exstirpationsprogramms, das sich freilich neben wirtschaftlichen Gründen auch auf religiöse und hygienische Gründe stützte. Dieses Programm erfuhr nach mehrmaligem Anlauf eine sehr genaue Formulierung namenlich i. J. 1680 und dann wieder i. J. 1690, als man sich auf Vorfälle berufen konnte, die dessen Erfüllung dringend und anscheinend so gut wie sicher machten. Immerhin kam es weder i. J. 1680 noch 1690 zur Verwirklichung einer Judenexstirpation, ja es kam nicht einmal zu einer Reduktion. Doch geriet deshalb dieses Programm nicht ins Vergessen, sondern es gewann im Gegenteil mit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung des Prager Ghettos immer mehr an Aktualität, und auch seine technische Seite blieb in Erinnerung. Es wurde bereits erwähnt, daß die Berater des Obristkanzlers Grafen Kinsky i. J. 1708 die Rückkehr zum Reduktionsprogramm v. J. 1680 empfahlen, und noch mehr betont wurde die Kontinuität der nachweißenbergischen Reduktionsversuche zu Beginn d. J. 1714, als die Bemühungen um eine 14

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