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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 200

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 200 (sequence 204)
Language
German
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200 ding* zurückging. Ebenso hemmte auch der teure Kredit jegliche Handels- und Industrieunternehmung, da ihr auch von staatlicher Seite lange Zeit keine ausgiebige Unterstützung zuteil wurde, sondern im Gegenteil eher Schwierigkeiten durch das verzweigte Zollwesen und die fiskalischen Zolltarife erwuchsen. Einzig und allein die Juden vermochten sich etwas über das allgemein tiefe Niveau geschäftlicher Unternehmung zu erheben und in erster Linie aus dem Außenhandel Kapital zu schlagen, der unversehens zum Großteil in ihre Hände geriet; namentlich aber wurden die Leipziger Messen zum Stelldichein der Prager Großkaufleute. Freilich betraf dies wieder bloß eine kleine Gruppe Prager Juden, die sich erträglichere Kreditbedingungen zu schaffen und überhaupt die nötigen Kapitalien zu rechter Zeit zu besorgen verstanden. Auch hier kam in nicht geringem Maße die jüdische Solidarität ebenso zur Geltung wie die jüdische Gewandtheit, Geschicklichkeit und persönliche Anspruchslosigkeit. Es waren also vielmehr subjektive als objektive Gründe, die es mit sich brachten, daß die kaufmännische Unternehmung der Prager Juden größere Erfolge aufweisen konnte als die entsprechende Unternehmung der Christen, obwohl auch jene an dem erwähnten Konsumverfalle litt, sodaß man ihren Umfang keineswegs mit den Verhältnissen im übrigen Mittel- und Westeuropa vergleichen kann. Doch auch dieses Niveau des Prager jüdischen Handels und der jüdischen industriellen Urerzeugung genügte vollauf, um aufseiten der christlichen Produzenten und Handelsleute drückend empfunden zu werden. Der christliche Handel, der an der Kreditlast und höheren Regie schwerer zu tragen hatte, konnte nicht eben leicht mit dem jüdischen Handel konkurrieren, der sich auch mit einem geringeren Gewinn zufriedengab und infolge seiner verhältnismäßigen Billigkeit größeren Umsatz erzielte. Dadurch aber, daß die Juden zum größten Teil auf den christlichen Konsum angewiesen waren und diesen auch durch die Vorteile ihrer Geschäftsweise, namentlich durch ihre Billigkeit, in hinreichendem Maße an sich zu ziehen verstanden, erlitten die christlichen Handelsleute und Produzenten einen entsprechenden Gewinstentgang; sie kehrten sich daher gegen die Juden, als wären diese in erster Linie an den Schwierigkeiten ihres Unternehmens schuld. Der Konsum des Ghettos war wie erwähnt infolge der natürlichen und auch durch die Verhältnisse erzwungenen Sparsamkeit der Juden verhältnismäßig gering. Die Frage, inwieweit vom objektiven Standpunkt aus diese Mentalität berechtigt war, kann uns an dieser Stelle infolge ihrer Reichweite und Kompliziertheit nicht beschäftigen; sie ist übrigens mit unserem Thema nicht unmittelbar verknüpft. Soviel jedoch ist sicher,

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