Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 188)
- Language
- German
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184 5. Kapitel. Neuerliche Konskription des Ghettos und die Anträge des obersten böhmischen Kanzlers Gf. Wenzel Norbert Kinsky auf Reduktion der Prager Juden; Errichtung einer neuen Redaktionskommission (1703-1713)- Das Judenprivileg Kaiser Leopolds I. v. /. 1703. — Ernennung einer neuen jüdischen Kommission. — Konskribierung des Ghettos im Dezember 1704. — Die Liste der nichtkontribuierenden Juden und deren Richtigstellung. — Besuch des obersten Kanzlers Gf. Kinsky in Prag und die Frage der Judenreduktion. — Das Amt des Judenquartiermeisters. — Anträge auf Erschwerung des Zuzugs fremder Juden nach Prag. — Errichtung der Kinskyschen Reduktionskommission. — Kinskys Bericht über das Judenproblem an den Kaiser vom 12. September 1708. — Genehmigung der Kinskyschen Anträge mittels Reskriptes vom 1. Oktober 1708. — Konskription des Prager Ghettos. — Fehlschlagen des Reduktionsversuches. Die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderten Reduktions- und Exstirpationsaktionen zeigen deutlich, daß der grundsätzliche Standpunkt der Regierung Kaiser Leopolds I. den Prager Juden gegenüber nicht günstig war, ja vielfach recht feindselig, und daß lediglich die fiskalische Notwendigkeit der Kontribution und der sonstigen Abgaben der Juden, dank der stetigen Hinweise der böhmischen und der Hofkammer, das Prager Ghetto vor den weitreichenden Plänen des nachweißenbergischen Antisemitismus beschützte. Das angedeutete Verhältnis erfährt auch seine Beleuchtung durch die sehr späte Bestätigung der Privilegien durch Leopold I., zu der es erst im Dezember 1703 kam, also ein halbes Jahr nach Erlassung des Reskripts vom 18. Juni.1) Aus beiden Dokumenten spricht gleichsam die Erschöpfung und Resignation ob der Erfolglosigkeit des langjährigen Kampfes der Leopoldinischen Regierung gegen die Juden, eines Kampfes, in dem infolge ihrer Schwerfälligkeit und mangels einer einheitlichen Anschauung die