Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 182)
- Language
- German
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178 gebauet, sondern lauter rudera und schuetwerckh zue sehen — und von demjenigen, was zwischen der kirchen des h. Geistes und der Paulaner kirchen bis gegen den jüdischen Bassevi haus, ablassen, und solche haüser der christlichen stadtgemeinde ohne endtgeldt überlassen solten . . dann wan diese haüser oder rudera denen Juden bezahlet werden müsten, so wurden wir vor das Privilegium gantz kein aequivalent haben, indeme stante hoc privilegio, wan die Christen mit dem pretio aufkommen könten, die Juden ihnen alsogleich 42 wohl gelegene haüser abtretten müsten, da hingegen sye nunmehro diese haüser erblich halten könten; denen aber, die ihre rudera oder sozuesagen ihren schutt bey der alten schuel haben, auf dem jüdischen baadplatz das aequivalent auszuweisen wäre." 18) „Angesehen nach allergnädigsten kayserlichen erkhandtnus sye Juden unsere bothmessigkeit unterliegen." 19) Dem Memorandum der Altstädter war neben mehreren Beilagen ein Plan der Judenstadt beigeschlossen, der im Wesen mit dem Bayersehen und Conavaleschen Plane übereinstimmt (vgl. Anm. 45 zu Kap. 3). *») Vgl. oben S. 136. 21) Dem Berichte, der von dem Altstädter Hauptmann Grafen von Guttenstein und Wenzel Schadner von Greifenfeld unterzeichnet ist, liegt einerseits die Relation der Mitglieder des Sechsherrenamtes Johann Allio und Wenzel Zatoczil vom 15. Jänner 1693 bei, welche die Okularvisitation der alten Synagoge durchführten (und feststellten, „daß an seithen des gartens, wo die weiber ihre schuel haben, ein durch die große feüersbrunst eingefallenes eckh aufs neue gebaut und aufgeführet, wie nicht weniger zwey theil an dem abgebrandten tach neu aufgebauet und bedeket, ingleichen ein neues thor darinnen unlängst gemacht worden"), andersteits drei Protokolle in tschechischer Sprache gleichfalls vom 15. Jänner über den in der alten Synagoge abgehaltenen Gottesdienst. Der Dachdecker David Prochaska, der die Reparatur der alten Synagoge besorgte, sagte weiters aus (Protokoll vom 15. Jänner 1693, gleichfalls in tschechischer Sprache): „daß die Prager Juden in der alten Schule eine Ecke, die in dem großen Feuer verbrannt war, auf der Seite, wo die Frauen ihre Schule haben, wieder aufmauern und ausbessern, ebenso neues Gespärre und Aufschöblinge, die verbrannt waren, etwa die dritte Woche nach dem Feuer durch Zimmerleute wieder einsetzen und aufstellen lassen; darauf habe ich 16 Tage lang teils mit neuen, teils mit alten Hohlziegeln gedeckt, denn kaum der dritte Teil dieses Daches war beiderseits ganz geblieben, die übrigen zwei Drittel habe ich eingedeckt." Zum Verhör hinsichtlich des jüdischen Gottesdienstes in der Synagoge ist zu erwähnen, daß bloß ein einziger Augenzeuge (Simon Paustirowsky) aussagte (tschechisch): „daß die Juden sowohl zu den Weihnachtsfeiertagen als auch am Neujahrstage in der Judenschule gewesen und unbändig geschrieen; ich habe sie gesehen, als sie aus besagter alter Schule herauskamen, denn sie kamen in großer Zahl geströmt." Die Eheleute Richter, Karl und Katharina, bezeugten lediglich: daß — wie Karl Richter aussagte — „die Frau Gräfin von Hodiejow, welche mit den jungen Herren bei mir eingemietet ist, meiner Frau gesagt hat, daß die Juden am Neujahrstage, das ist am 1. Januarii dieses 1684. Jahres, vor Tagesanbruch in der alten Schule großes Geschrei verführten, sodaß sie deshalb kaum ein Auge schließen und nicht länger habe schlafen können"; Richter sah wenigstens Juden aus der alten Synagoge herauskommen.