Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 181)
- Language
- German
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177 solche neu aufgebaute Pforten und Türe auf Kosten besagter Juden einreißen und wegräumen lassen und berührten Prag-Altstädtern davon Kenntnis geben ..." — Doch, wie aus den späteren Verhandlungen hervorgeht, wurden diese zur Zeit der Schwedenbelagerung errichteten Tore weder i. J. 1652 noch später abgetragen, und zu der Zeit, über die jetzt hier gehandelt worden ist, nannte man sie neue Tore zum Unterschied von den älteren Toren, welche schon in vorweißenbergischer Zeit das ursprüngliche Ghetto abschlössen. Der Kampf der Altstädter, wie aus dem im Texte Gesagten hervorgeht, war eben gegen diese neuen Tore gerichtet. 9) Die Statthalter führten aus, daß die Altstädter Gemeinde durch ihren Widerstand „die Judenschaft, wann — da Gott für seye — ein anlauf entstehen sollte, gleichsamb ohne schütz und Vormauer gegen den pöwel bloßstehen lassen will, welchen pöwel die allhiesige geringe gvarnison, in ansehung die haubtposten und stadtthöre auch besetzt bleiben müssen, ohnfehig wäre zu stillen oder zu dempfen." 10) Der Bericht der Statthalter fordert wiederholt ^schuldige paritiorr1 des Altstädter Magistrats ihnen gegenüber und betont, daß „durch dergleichen ungehorsamb wir in corpore Euer Majestät höchste persohn representirendes königliches governo in unseren anstalten und Verordnungen nur mit den rucken angesehen werden.*' A1) Zu Mitgliedern dieser Kommission wurden ernannt: Graf Anton Johann Nostitz, Graf Heinrich Friedrich Guttenstein, Graf Franz Ferdinand von Wrtby, Michael Franz Wieschnik und Johann Wolfgang Ebelin. 12) Das Memorandum der Altstädter trägt das Datum präs. 31. März 1700. 13) Entgegen der Behauptung der Juden von einem 900jährigen Alter der alten Synagoge führten die Altstädter die Angabe der Chronik von Wenzel Hajek von Libotschan aus dem XVI. Jahrhundert ins Treffen, der damals als verläßliche historische Autorität galt, daß die Jud^n erst vor 700 Jahren nach Prag gekommen seien und sich zuerst am linken Moldauüfer, am Augezd, niedergelassen hätten, dort, wo später das St. Maria Magdalenakloster stand. 14) „Von welcher zeit (seit Erlaß des Privilegiums vom & April 16*27) auch sye Juden diese häuser bis auf gegenwärtigen tag nicht erblich, sondern nur hypothecweiß einander abtretten"; es ist dies eines von vielen Beispielen, wie es die Juden verstanden, ihnen feindliche Verordnungen zu umgehen. 15) „seyndt doch bey wünschender allergnädigster residirung Ihrer königlichen Majestät zue Prag bessere zeiten zue hofeil"; von irgendwelchen Absichten, den Kaiserhof von Wien nach Prag zu verlegen, ist m. W. sonst nichts bekannt. 16) „Angesehen ohnedies der orth bey der alten schul nichts dergleichen — vorher war die Rede von Abgaben von Grund und Boden — zahlet, weil derselbe orth muethmaßlichen der allererste sitz der Judenschaft gewesen." 17) Der Antrag der Altstädter ist folgendermaßen stilisiert: „daß pro aequivalenti und in compensationem des wegen so genandten Liechtensteinischen häusern der Stadt ertheilten allergnädigsten privilegii die Judenschaft von zweyen reviren, nemblich woh die alte schuel stehet — allermaßen ohnedies daselbst außer der eintzigen Judenschuel kein haus auf-