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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 175

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 175 (sequence 179)
Language
German
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IRI
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175 lorenen Liechtensteinhäuser zu Grabe getragen. Und auch die Reduktionsfrage der Bevölkerung verlor für das Prager Ghetto dank der anbefohlenen Mitarbeit der böhmischen Kammer in der Konskriptionskommission bedeutend von ihrer Gefahr. Der Sieg der Juden war wohl provisorisch, doch war ihre gesamte Stellung überhaupt so geartet; ihr rechtliches Fundament, das königliche Indult und die Toleranz, waren völlig der Willkür des Herrschers unterworfen. Doch dieses Provisorium hatte, wie aus all dem hier Gesagten hervorgeht, sehr zähen Bestand, und die jüdische Kontribution gab ihm den unerschütterlichen Grund; es genügte, wenn von Zeit zu Zeit in Augenblicken, da die gepeitschten Wogen des Antisemitismus zum Überschlagen hoch gingen, die Kameralverwaltung an diese Eigenschaft des Aufenthaltes der Juden unter der Christenbevölkerung erinnerte, um den Appetit auf Schwächung oder gar Vertreibung der Judenschaft zu verbittern und abzustumpfen. Immerhin vermochte auch das Reskript vom 18. Juni 1703 das Prager Ghetto, welches sich in dieser Zeit schon erholt hatte, wenn auch die Folgen des katastrophalen Brandes v. J. 1689 noch nicht restlos wettgemacht waren, nicht vor neuen Angriffen zu schützen. Gerade in den kommenden Jahren gewinnt der Widerstand gegen die Juden neue Stärkung. Wenn im Gutachten der Judenkommission vom J. 1700 ein bedeutender Nachdruck auf die allgemeinen Gründe des nachweißenbergischen Antisemitismus gelegt wurde, die stark religiös betont erschienen, so gewinnt später die Erwägung vom Druck der jüdischen Konkurrenz auf wirtschaftlichem Gebiete die Oberhand. Die Schilderung des Fortschreitens dieser neuen antijüdischen Welle bildet ein Kapitel für sich. Anmerkungen zum 4. Kapitel. *) Die angeführten Daten sind im vierten Abschnitt des Berichtes der Judenreduktionskommission v. J. 1715 enthalten (dd. 26. März, CDK IV T 1, ad 3 ex 1719) und beruhen auf heutzutage zum Teil verlorenen Dokumenten. Vgl. auch weiter unten im 5. Abschnitt. 2) Davon spricht der Bericht der Statthalter an den Kaiser vom 16. Oktober 1699: die Judenältesten hätten sich bei den Statthaltern beschwert, „. . . in ansehung der^den 25. Septembris bevorgestandenen criminalexecution des studiosi Johann Fitzthumb von Studenten und allerhand pöwl der jüdischen gemeinde angedroheten invasion"; weiter sagt dann derselbe Bericht, daß der Sicherheit der Juden förderlich wäre, Tore zu errichten: „wegen des etwa künftig erfolgenden executionsinlaufs, wann der Studios Fitzthumb möchte hingerichtet werden, und dessentwegen leicht eine Plünderung der Judenstadt erfolgen khunte." 8) Die Juden behaupteten in ihrer Beschwerde an die Statthalter gegen den Altstädter Magistrat vom 6. Oktober 1699: „warbey der armen jüdischen gemein mit überfallung und sogahr dem vernehmen nach mit feyeran-

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