Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 173)
- Language
- German
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169 Menschen erklärt; — diese Phrase kehrt zu jener Zeit im Zusammenhang mit der Judenreduktion natürlich stereotyp wieder. Das vorherrschende Reduktionsmotiv des Memorandums bildet die jüdische Konkurrenz, also ein wirtschaftlicher Beweggrund. Denn die Prager Bürgerschaft wird nach den Darlegungen der Denkschrift ausgetilgt werden, falls das Hereinfluten des jüdischen Volksmeeres nach Prag nicht abgedämmt werde; denn es gebe kein Handwerk, das die Juden nicht trieben, und keinen Handel, der nicht in jüdischen Händen wäre. Es sei schon so weit gekommen, daß z. B. von der bedeutenden Anzahl der christlichen Altstädter Tuchmacher, Gürtler und Kürschner, die noch vor 40 Jahren die Ziffer 100 überstieg, nunmehr kaum 6—7 dieser Handwerker übrig seien. Trotz dieser so einschneidenden Abnahme müsse jedoch die Altstädter Bürgerschaft die Kontribution in derselben Höhe zahlen wie vorher. Dagegen zahle die Prager Judenschaft, die sich in letzter Zeit so vermehrt habe, samt allen übrigen Juden in Böhmen bloß den 45. Teil der Landeskontribution, und obendrein noch sehr unordentlich. Die Kommission wies auch darauf hin, daß eine Verkleinerung der Judenstadt sowie eine Absperrung der Judenhäuser von der Christenstadt an sich nicht ausreichen werde, um die Judenschaft zu verdrängen, und verwies auf die vornehmlichsten Ursachen des raschen und übermäßigen Anwachsens der jüdischen Bevölkerung, welche in der Gegenwart und gar erst in der Zukunft für die christliche Nachbarschaft zu einer drohenden Gefahr wird, auf die hohe Geburtsziffer der jüdischen Rasse — „weilen die Juden in ihrer unflätigen Stadt velut insecta sich . . . sehr multiplieiren" —, auf die frühzeitigen Judenehen und auf den starken Zuzug aus dem Ausland, namentlich aus Polen. Gegen die übermäßige natürliche Vermehrung der Juden wollte die Kommission nach fremdem Beispiel ankämpfen durch den Antrag auf Aufhebung der bisherigen freien Eheschließung der Juden und Einführung des jedesmaligen Konsenses seitens der christlichen Obrigkeit — für die Prager Juden war dies die böhmische Kammer — zur Gründung neuer jüdischer Hausstände. Die Kommission setzte voraus, schon die bloßen Konsenserteilungstaxen würden bei der Kargheit der jüdischen Natur — cum sint avarum genus hominum — die angeborene jüdische Ehetollheit (pruritus conjugalis) abkühlen, und versprach sich von der Einführung jüdischer Hochzeitstaxen auch eine Mehrung der Kammereinkünfte. Es ist dies m. E. die erste Formulierung des famosen Antrags auf Beschränkung der Judenehen in nachweißenbergischer Zeit, dessen Vorläufer wir freilich im Plane auf Festsetzung einer unüberschreitbaren Zahl von Judenfamilien suchen können. Wie aus der Stilisie- 12