Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 172)
- Language
- German
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168 in die größeren Gassen mündeten, so gebaut sein sollten, um Fuhrwerke durchzulassen; die übrigen sollten bloß als Pforten für den Verkehr zu Fuß eingerichtet sein, dem in den Toren ein kleineres Türchen dienen sollte. Gegen die Moldau zu sollte das Ghetto mit einem Palisadenzaun abgeschlossen werden. Nach dem Kommissionsentwurf sollten zu jedem Tore oder jeder Pforte vier Schlüssel angeschafft werden, welche beim Altstädter Hauptmann, beim Altstädter Magistrat, beim Altstädter rticliter und bei den Judenältesten verwahrt werden sollten. Das öffnen — im Sommer um 4—5, im Winter um 6—7 Uhr — und das Schließen der Tore — im Sommer um 10, im Winter um 6—7 Uhr — würde ein verläßlicher Jude besorgen und die Verantwortung für die genaue Einhaltung der festgesetzten Stunden hätten die Judenältesten zu tragen, welche auch im Falle von sonstigen Unregelmäßigkeiten ohne weitere Berufung zu bestrafen wären. An Sonn- und Feiertagen sollte die Judenstadt bis 11 Uhr gesperrt bleiben und auch später sollten bloß die Pforten geöffnet werden, damit sich das Landvolk nach Beendigung des Gottesdienstes im Ghetto Bedarfsartikel einkaufen könne; den Juden sollte jedoch an diesen Tagen nicht gestattet sein, ihre Stadt zu verlassen, wie sie dies bis dahin zum allgemeinen Ärgernis getan. Den Juden sollte auch ausdrücklich eingebunden werden, daß ihnen durch die Bewilligung zum Torbau nicht etwa größere Vorrechte erteilt werden. Außerdem stellte die Kommission den Antrag, die zahlreichen gegen Christenhäuser schauenden Fenster der Judenhäuser sollten zugemauert werden, und forderte, es solle den Juden befohlen werden, ihre Stadt ordentlich zu reinigen und alle wüsten Plätze darin zu verbauen. Es ist sicherlich interessant, daß in diesem Gutachten auch ein längst vergessener Plan wiederkehrt, dessen Zwecklosigkeit sich schon zur Zeit des 30jährigen Krieges erwiesen hatte. Die Judenkommission beantragte nämlich, es solle nach römischem Muster an Sonn- und Feiertagen Judenkatechese gehalten werden — ad emolliendam eorum perfidiam et cordis duritiem. Es fehlte immerhin auch an anderen Stellen des Memorandums nicht an verächtlichen Bemerkungen gegen die Juden, „quia post sceptrum a Judea ablatum ad serviendum destinati et nati sunt hi durae cervicis homines". Von grundsätzlicher Wichtigkeit sind schließlich auch die letzten Absätze des Gutachtens der Judenkommission, die von der Reduktion der Zahl der Prager Juden handeln und an die wohl alle Reduktionsprogramme der Folgezeit anknüpfen. Das Memorandum begrüßt die kaiserliche Absicht, eine Reduktion der Judenfamilien durchzuführen, eine Absicht, die es als heiliges und heilsames Werk vor Gott und den