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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 135

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 135 (sequence 139)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0140-2644481
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135 Häuser, mit deren Bau bereits begonnen worden war, einzureißen, namentlich das Bassevische Haus in einem Werte von 60.000 fl., dessen Mauern vom Feuer unversehrt geblieben waren. Zuguterletzt verwahrten sich die Juden natürlich aus moralischen und religiösen Gründen nachdrücklichst dagegen, daß ein Teil ihres Friedhofs verbaut würde, was nach dem mosaischen Gesetz ein Sakrileg bedeute; aus demselben Grunde lehnten sie ihre Zustimmung zur Verwendung der alten Synagogenfundamente zum Baue von Wohnhäusern ab und betonten, einer solchen Handlung könnten sie sich selbst dann nicht schuldig machen, wenn es ihnen an Mitteln zum Wiederaufbau der abgebrannten Gotteshäuser gebrechen sollte. Daneben polemisierte das jüdische Memorandum mit den gegen die Juden zugespitzten moralischen und religiösen Gründen des Reskripts vom 15. April; es sei trotz der zahlenmäßigen Stärke der jüdischen Gemeinde auch nicht in einem einzigen Falle vorgekommen, daß ein Christ zum Judentum übergetreten wäre. Geschickt war auch die Antwort auf den Vorwurf stilisiert, daß durch den Verkehr mit den Juden die christlichen Sitten Schaden litten. Schließlich wiederholten die Juden ihr früheres Gesuch, es möge ihnen die denkwürdige Alte Synagoge51) belassen werden. Bei der Erledigung dieses Protestes gewann der Standpunkt der Hofkammer und der böhmischen Kammer entschieden das Übergewicht. So kam die finanzielle Seite der jüdischen Replik in der kaiserlichen Antwort auf die jüdischen Einwendungen und Beschwerden in durchgreifender Weise zur Geltung. Zwei Reskripte dd. Laxenburg, der Somerresidenz des Hofes, vom 4. Juni 1690, brachten dem Prager Ghetto ganz außerordentliche Erleichterungen. Das erste Reskript wiederholte zwar noch den am 15. April ausgesprochenen Grundsatz, es solle entsprechend dem Klauserschen Plane eine Scheidung der Judenstadt von den Christenhäusern durchgeführt werden, doch die den Juden nunmelir eingeräumten Zugeständnisse bedeuteten eine wesentliche Abänderung des ursprünglichen Programms. Zunächst einmal fiel der Plan einer Umfassungsmauer rings um das ganze Ghetto und es wurde das Angebot der Juden angenommen, daß die Judenhäuser am Rande höhere Feuermauern ohne Türen und Fenster erhalten würden: nur an der Moldauseite sollte das Ghetto mit einer Mauer abgeschlossen werden und einige Pförtchen sollten den Zutritt zum Flußwasser erleichtern. Gleichzeitig aber wurde der Plan vollständig aufgegeben, die Gassen zu verbreitern, und es wurde die restlose Wiederherstellung des Bauzustandes vor dem Brande gestattet, sodaß die Juden überall beim Baue der neuen Häuser die alten Fundamente verwenden konnten. Die hygienischen und sicherheitlichen Rücksichten, die früher zur Entschließung geführt hatten, der neuen Judenstadt breite Gassen zu geben, traten nunmehr vor der

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