Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 138)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644301--0139-2644480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 Juden- und Christenstadt, den die Prager Judenkommission auf 20 Ellen festgesetzt hatte, wurde auf 15 Ellen herabgesetzt (der Raum sollte hinreichen, daß zwei Wägen einander bequem ausweichen könnten); dieselbe Breite sollten auch die Gasen der neuen Judenstadt erhalten. Gleichzeitig verordnete das Reskript, daß bei Zuteilung der Bauplätze jenen Juden der Vorzug zu geben sei, die finanzielle Mittel zum Baue besitzen. Den Statthaltern wurde neuerlich aufgetragen, den Reduktionsantrag hinsichtlich der Zahl der tolerierten Juden vorzulegen; bezüglich der Erstreckung der Aufenthaltbe willigung der Juden in Christenhäusern sollten sich die Statthalter mit dem Erzbischof ins Einvernehmen setzen.49) Das Reskript vom 15. April erkannte allerdings an, daß der Bau der Judenstadt nach den beantragten und genehmigten Normen den Juden teurer zu stehen kommen würde, als wenn überall die alten Fundamente Verwendung fänden, führte jedoch die Beweggründe an, weshalb die Restitution des alten Zustandes nicht bewilligt werden könne. Die Gründe moralischer und religiöser Natur (ad evitanda scandala, periculum corruptionis fidei et morum) waren vorwiegend eine Antwort auf die Erörterungen der böhmischen und der Hofkanzlei, die für die Juden günstig gelautet hatten. Diese Resolution bot im Gegensatz zum Antrage der Judenkommission im großen ganzen nur unwesentliche Erleichterungen, die überdies zum Großteil für die Juden unannehmbar waren; so stand denn zu erwarten — und das Reskript ließ es merken —, daß sich die Juden mit einer solchen Erledigung kaum zufrieden geben würden. In der Tat überreichten unmittelbar darauf die Prager Judenältesten dem Kaiser eine Replik,80) in der sie sich namentlich darüber beschwerten, daß der Bau der angeordneten Mauer um die Judenstadt einen Aufwand von über 40.000 Gulden erfordern würde, einen Betrag, den die Juden nicht aufwenden könnten, wenn sie ihrer Kontributionspflicht ordentlich nachkommen sollten. Als Kompromiß beantragte das jüdische Memorandum, es möge anstelle einer umfassenden Befestigungsmauer gestattet werden, bei jenen Häusern, die am Umfange der Judenstadt liegen, eine höhere Feuermauer aufzuführen, und die Judenältesten verbürgten sich dafür, die Judenhäuser würden von Stein erbaut werden und in der Richtung gegen die Christenhäuser weder Türen noch Fenster aufweisen; die aus der Judenstadt führenden Gassen würden an den Eintrittsstellen in die Christenstadt mit Toren versehen sein. Außerdem protestierten die Juden gegen die angeordnete Breite der Judengassen, indem sie darauf hinwiesen, daß dadurch die Verwendung der alten Fundamente verunmöglicht würde, wodurch sich der Bau der neuen Häuser bedeutend verteuern und die Baufläche der Judenstadt verringern müßte; wie sie ausführten, wäre es sogar notwendig, einige