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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 119

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 119 (sequence 123)
Language
German
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IRI
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119 tiven Wirtschaftsfaktor darstellen, der zwar vielleicht ein Übel ist, dann aber ein unvermeidliches, und zwar nicht bloß für den Staat, sondern auch für die Stadt. Gegen eine Verpflanzung der Judenstadt aus dem Prager Weichbilde sprach sich schließlich auch der Kleinseitner Rat aus. Indem er ganz richtig die Behauptung der Altstädter zurückwies, als ob die Juden an der furchtbaren Feuersbrunst schuld seien, führte er eine Reihe dafür sprechender Gründe an, die Juden an ihrem bisherigen Orte zu belassen. Namentlich widerlegten die Kleinseitner die Meinung des Altstädter Rates, als würden sich auf der Brandstätte der Judenstadt Handelsleute aus der Fremde niederlassen. Am entschiedensten nahm gegen den Plan der Altstädter der königliche Hauptmann der Kleinseite Stellung, Karl von Goltz, dessen Gutachten nicht bloß durch Vernunftgründe motiviert, sondern auch von menschlichem Mitgefühl mit dem Unglück des Ghettos erfüllt war und sich daher bissig gegen die Argumente des Altstädter Rates wandte. Von Goltz betonte,24) die Juden trügen nicht die geringste Schuld an der jüngsten Feuersbrunst, im Gegenteil, man habe ihnen verwehrt das Haus Zum schwarzen Adler zu schützen, und er bezeichnete es als eine Ungerechtigkeit, die schuldlosen Juden, „mit zwei Ruten zu streichen", sie nämlich aus der Stadt zu jagen und dem Raubgesindel preiszugeben. Er stellte zwar nicht in Abrede, daß die Judenstadt unrein sei, kehrte jedoch die Spitze dieses Tadels gegen den Altstädter Rat, indem er betonte, es sei nur dessen eigene Schande (propria turpitudo), da dem Altstädter Magistrate in erster Linie die Obsorge um die Reinhaltung der Stadt obliege, zumal der Altstadt bedeutender Gewinn von den Juden zufließe. Die Lage der bisherigen Judenschaft — führte von Goltz aus — entspricht vollkommen und es wäre ungerecht und unmenschlich, die Juden aus den Häusern zu jagen, die sie seit Jahrhunderten innehaben, und von der Stelle, wo die Reliquien ihrer Ahnen ruhen. Die Hoffnung der Altstädter, anstelle der Juden würden sich im bisherigen Ghetto Handelsleute aus dem Reich niederlassen, ist keineswegs berechtigt und birgt außerdem die Gefahr in sich, die Juden würden von Lutheranern und Kalvinisten abgelöst werden, was in religiöser Hinsicht viel bedenklicher wäre als die Anwesenheit der Juden.25) Übrigens wird auch durch Ausquartierung der Juden aus Prag den christlichen Handelsleuten keineswegs geholfen sein, weil die Juden auch so in Prag ihre Geschäfte treiben könnten; die jüdische Konkurrenz bringt übrigens den breiten Schichten nur Gewinn, denn die christlichen Geschäftsleute müssen in der Befürchtung, die Kunden könnten zu den Juden gehen, ihre Ware billiger verkaufen.26) Den Hauptschaden aus der Entfernung der Juden würde freilich der königliche Fiskus

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