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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 114

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 114 (sequence 118)
Language
German
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114 Sinne des Wortes zusammengepfercht waren. Übrigens war auch im Ghetto — wie man wahrheitsgemäß immer wieder betonen muß — nicht alles von Holz, namentlich die nach der Weißenbergschlacht von den Juden aufgekauften ehemaligen Christenhäuser waren von Stein; jedoch auch eine Menge alter jüdischer Häuser, die als Warenmagazine dienten, hatte dauerhafte gemauerte Keller und gewölbte Räume zu ebener Erde. Übrigens war gleich bei Ausbruch des Feuers klar, daß das Ghetto nicht der Ausgangspunkt der Katastrophe gewesen und daß an der Ausbreitung des Feuers auch ungünstige äußere Umstände: Wind und mehrfache Brandlegung keinen geringen Anteil hatten. Das Memorandum des Altstädter Rates begnügte sich freilich nicht mit diesem Motiv, das bei unvoreingenommenem Zusehen wesentlich abgeschwächt werden konnte, sondern führte zur Unterstützung seines Gesuches noch andre, keineswegs aber völlig neue Gründe an. So betonten die Altstädter wahrheitsgemäß, daß es in der Judenstadt stets viel Schmutz und Abfälle gab und gibt — kurz vor Ausbruch des Feuers habe der Altstädter Hauptmann persönlich eine Visitierung der Judenstadt vorgenommen und (ad horrorem) sowohl in den Gassen als auch in den Häusern viel Unrat gefunden —, wodurch Brunnen und Wasserbehälter verschlämmt und die Gefahr rascher Verbreitung ansteckender Krankheiten erhöht würde; es habe übrigens am Platze gefehlt, um allen Unrat aus der Judenstadt zu schaffen, und auch an den hiezu erforderlichen Geldmitteln. Die Mehrzahl der Diebstähle und Unehrlichkeiten wurde angeblich von den Juden entweder direkt begangen oder zumindest unter ihrem Deckmantel und ihrer Mithilfe — wie die Altstädter in ihren weiteren Ausführungen in Übereinstimmung mit den altern Beschwerden erinnern, ohne jedoch konkrete Belege beizubringen. Diese Motive hygienischer und polizeilicher Natur wurden durch einen wirtschaftlichen Beweggrund ergänzt; die christlichen Handels- und Handwerksleute litten unsäglich unter der jüdischen Konkurrenz,12) wobei die Juden nach Ausweis der Stadtbücher so verschuldet seien, daß das, was sie ihr eigen nennen, in Wirklichkeit christlicher Besitz sei. Daher forderte der Altstädter Rat, die Juden sollten extra moenia entfernt werden, und bat zugleich, es möge den Juden im Sinne ihres Privilegiums nur zweimal in der Woche gestattet sein, auf dem jüdischen Tandelmarkt feilzuhaben; — es geht daraus hervor, daß er sich die neue Judensiedlung in der Nähe von Prag dachte. Der Magistrat war sich allerdings wohl bewußt, die beantragte Vertreibung der Juden aus Prag werde vor allem auf entschiedenen Widerstand der böhmischen und der Hofkammer stoßen, welche eine wirtschaftliche Schwächung der Juden nicht zugeben konnten, ohne daß der Staatskasse für die Judenkontribution ein entsprechender Gegenwert

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