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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 113

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 113 (sequence 117)
Language
German
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IRI
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113 tigkeit von acht Ellen bedeckte und nicht bloß die Grund- und Untermauern der Häuser, sondern auch die dauerhaft gewölbten Keller und die gemauerten Räume zu ebener Erde barg, noch manches Wertvolle erhalten hatte.7) Mehr als eine Ursache ließ die Katastrophe so großen und verheerenden Umfang annehmen. Der Wassermangel und die ungünstige Windrichtung brachten es wie erwähnt mit sich, daß an ein Löschen der durch die vorangegangene Trockenheit ausgedörrten Häuser garnicht zu denken war, zumal auch in der Judenstadt Brandlegung anzunehmen ist, sogar an mehreren Seiten.8) Gleich verhängnisvoll wirkte der Umstand, daß die Judenstadt mit ihren schmalen und krummen Gäßcnen auf einer so kleinen Baufläche zusammengepfercht war und 'iaß die mit den allerunterschiedlichsten und größtenteils brennbaren Warenvorräten, mannigfaltigen Abfällen und Unrat angefüllten Judenhäuser zu einem guten Teil von Holz gebaut waren, mochte auch im Ghetto nicht alles bloß aus Holz und Lehm bestehen, wie es unmittelbar darauf die Altstädter Gemeinde schilderte.9) Jene Verhältnisse, die vor zehn Jahren der verheerenden Wirkung der Pest Vorschub geleistet hatten, führten auch in erster Linie das Umsichgreifen der jetzigen Katastrophe herbei. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß dieser schreckliche Brand die Prager Judengemeinde in furchtbares Unglück und Elend stürzte. In materieller Hinsicht überwog es die Folgen der jüngsten Pestplage bedeutend, wiewohl auch dessen moralische Auswirkung keineswegs unterschätzt werden darf. Es überrascht nicht, daß gerade in diesem Augenblick jüdischer Verzweiflung auf christlicher Seite der i. J. 1680 aus Mangel des zum Auskauf der Judenhäuser erforderlichen Geldes vereitelte Plan wiederkehrte;10) die völlige Vernichtung der Judenstadt schien dem alten Programm der Altstädter Gemeinde, das namentlich aus wirtschaftlichen Gründen nach Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus Prag rief, entgegenzukommen. Noch unter dem unmittelbaren Eindruck der Vernichtung des Ghettos, kaum eine Woche nach dein Brand, unterbreitete der Altstädter Rat dem Kaiser ein Memorandum, worin er die Gründe seines Ersuchens um Entfernung der Juden aus Prag zusammenfaßte.11) Die Denkschrift machte natürlich in erster Linie Gebrauch von dem alleraktuellsten Motiv. Es entsprach zwar im Wesen der Wahrheit, war jedoch angesichts der Wirklichkeit etwas übertrieben, wenn der Altstädter Rat behauptete, die Ursache <ler großen Ausbreitung des Feuers sei darin zu suchen, daß die Judenhäuser aus lauter Holz und Lehm gebaut wraren und dicht nebeneinander standen. Die Juden konnten doch wirklich nicht dafür, daß ihre Häuser auf eine so knappe Baufläche beschränkt und darauf im wahren

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