Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 109)
- Language
- German
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105 Kammer wie vom erzbischöflichen Konsistorium genehmigt und den Juden gestattet, das gekaufte Feld mit einer Mauer zu umfrieden, die allerdings erst i. J. 1684 erbaut wurde. Die Friedhofsfläche maß 228X40 Ellen und in der Mitte war ein Brunnen. Bis 1684 war bereits eine Fläche von 118X20 Elen mit Gräbern belegt und die Juden hatten die Absicht, auf dem Friedhof neben dem Häuschen für den christlichen und den jüdischen Wächter auch ein Krankenhaus zu errichten. Die Pestplage vom Jahre 1680 hatte für das Prager Ghetto nicht bloß einen ungeheuren Volksverlust, sondern auch eine schwere wirtschaftliche Katastrophe zur Folge, weil nicht bloß der Verkehr mit dem übrigen Prag völlig aufgehört hatte, sondern auch die Verbindung mit dem Lande ganz unterbrochen und jeglicher Handelsverkehr unmöglich geworden war. Die Ämter unterbanden eine Zeitlang die Zufuhr fremder Ware nicht allein den Juden, sondern auch den Christen, und noch i. J. 1682 waren normale Verhältnisse immer noch nicht wiederhergestellt.25) Die grauenvolle Pest und die durch sie bedingte Zerrüttung von Wirtschaft und Leben bei Juden wie bei Christen brachte es mit sich, daß das weitausgreifende Programm der Judenreduktion auch dann nicht zur Durchführung gelangte, als die Verhältnisse wieder in normale Bahnen einlenkten. Es war dies freilich nicht im mindesten als ein Vergessen dieses Programms zu werten, umsoweniger als sich die Volkskraft des Prager Ghettos rasch erneuerte und die Altstädter Bevölkerung wieder unter dem Drucke der jüdischen Konkurrenz zu leiden begann. Es war ein bloßer Aufschub, weil man eine nächste günstige Gelegenheit abwartete, um dann mit dem Versuch einer radikalen Lösung der jüdischen Frage neuerlich entschlosen hervorzutreten. Diese günstige Gelegenheit stellte sich sehr bald ein, als am 21. Juni 1689 die ganze Prager Judenstadt in Asche sank. Anmerkungen zum 2. Kapitel. *■) Konzept in den Akten des Archivs des Ministeriums des Innern in Prag, E 2/4 st., woselbst auch das übrige hier benützte Material erliegt. 2) Seine Absicht, Wien zu verlassen und sich nach Prag zu begeben, gab der Kaiser den Statthaltern mit Hofkanzleidekret vom 19. August 1679 bekannt. Mit Dekret vom 21. August wurden die Statthalter in Kenntnis gesetz, daß die Kaiserreise über Deutschbrod, Gaslau, Kolin und Böhmischbrod führen werde. Später wurde jedoch dieses Itinerar abgeändert. Von Wien begab sich der Kaiser nach Iglau, von wo aus am 11. September den Statthaltern angezeigt wurde, daß der Hof auf seinem Wege nach Prag über Pilgram, Botfecitz, Kfelowitz, Kosetitz, Wlasim, Beneschau, Dnesbek und Jesenitz kommen werde. — Die zit. Akten in E 2/5 st. 3) Reichliches Material mit Konzepten der statthalterischen Pestverfügungen vor Ankunft des Kaisers nach Prag erliegt in E 2/5 st. 8