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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 101

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 101 (sequence 105)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0106-2644447
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101 teten Sanitätskommission die unverzügliche Durchführung der Reduktion der Prager Ghettobevölkerung auf. Die ausgewiesenen Juden sollten binnen drei Wochen aus Prag ausziehen, doch nicht an einen beliebigen Ort, sondern sie sollten in eine entfernte Quarantäne geschafft werden, um die Ansteckung nicht auf dem Lande zu verbreiten. Außerdem wurde angeordnet, ,vom jüdischen Tandelmarkt alle Juden zu entfernen, die keine eignen Läden hatten; wie ersichtlich, wurde der Befehl bezüglich Sperrung des jüdischen Tandelmarktes nicht durchgeführt. Gleichzeitig wurde die Reduktion des jüdischen Tandelmarktes einer besonderen Kommission anvertraut.10) Die angeführten Richtlinien für die Judenreduktion erfuhren eine gewisse Abänderung durch eine am 9. März erschienene Vorschrift der böhmischen Hofkanzlei. Danach sollten aus der Judenstadt binnen drei Wochen unter Todesstrafe einerseits alle jene Personen entfernt werden, die schon einmal aus Prag ausgewiesen worden, aber wieder zurückgekommen waren; außerdem sollten auch alle diejenigen Prag verlassen, die keine Kontribution zahlten, und schließlich die Hälfte der kleinen Kontribuenten, die weder in die erste noch in die zweite Kontributionsklasse eingereiht waren.11) Die Vorbereitungsarbeiten der Reduktionskommision waren nach sovielen Verzögerungen endlich so weit fortgeschritten, daß an der Hand des von den Judenältesten angelegten Verzeichnisses die Zahl der Juden festgestellt war, die in kürzester Zeit Prag verlassen sollten. Gegen Ende März meldete die Judenkommission, daß unter die ReduktionsVorschrift im ganzen 1337 Judenfamüien fallen, d. h. mehr als ein Drittel aller damals in Prag wohnhafter Juden, deren man in 318 Häusern insgesamt 7.113 Personen12) über 10 Jahre gezählt hatte. Gleichzeitig beantragte dann die Kommission, zwecks Kontrolle den Schreibern an den Stadttoren aufzutragen, diejenigen Juden zu verzeichnen, welche Prag verließen. Diese Vormerkungen sollten täglich der Reduktionskommission vorgelegt werden.13) Doch auch damit war im Reduktionsplan noch nicht das letzte Wort gesprochen; an Stelle des Reduktionsprogramms sollte ein Exstirpationsprogramm treten. Es bildet keine Überraschung, daß in einer Atmosphäre, wTelche mit Angst vor dem schrecklichen Gaste erfüllt war, der bereits durch mehrere Todesfälle seine grauenvolle Gegenwart angezeigt hatte, der Gedanke auftauchte, die Juden aus Prag überhaupt zu entfernen. Zu diesem Vorschlag führte jedoch nicht bloß die Befürchtung vor der Judenstadt als einem fruchtbaren Nährboden ansteckender Krankheiten — diese gab vielmehr bloß den geeigneten und auch sehr wirksamen Vorwand ab —, sondern auch das seit geraumer Zeit empfundene Verlangen, die für die Christen lästige wirtschaftliche

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