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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 96

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 96 (sequence 100)
Language
German
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96 jüdische Konkurrenz besonders empfindlich in Mitleidenschaft gezogen waren. Das Privilegium Ferdinands II. vom 8. April 1627 für die Prager Altstadt, welches die Rückkehr der Liechtensteinhäuser in Christenhand verbürgen sollte, wurde zu einem Wechsel von sehr fraglichem Wert, dem gegenüber die Juden mit vollem Recht ihr Privileg vom 12. August 1627 präsentierten. So sank die Hoffnung darauf, der Umfang des Ghettos werde durch die natürliche Entwicklung auf die Fläche der „Judengasse" des XVI. Jahrhunderts zusammengepreßt werden, immer mehr und mehr, auch die Wirkungslosigkeit der wiederholten antijüdischen Kundmachungen und Verordnungen von amtlicher Seite mußte die Überzeugung festigen, daß mit den bisherigen Rechts- und Administrativmitteln die brennende jüdische Frage schlechterdings nicht zu lösen sei. Indes nötigte die Rücksicht auf die jüdische Kontribution^ abzuwarten, bis über das fiskalische Interesse andere Rücksichten die Oberhand gewinnen würden, die den Reduktions- und Extirpatior»splänen ganz gewaltigen Vorschub leisteten. Die erste solche Gelegenheit In nachweißenbergischer Zeit bot die schreckliche Pest, welche im Jahre 1680 Prag und damit auch die Judenstadt ergriff. Schon während des Dreißigjährigen Krieges und ebenso nach demselben (so z. B. i. J. 1649) suchte die Pest wiederholt die Prager Städte heim und forderte ohne Unterschied in den Reihen der Christen und der Juden zahlreiche Opfer. Diese natürliche Reduktion der jüdischen Bevölkerung, die umso einschneidender war, je primitivere hygienische Verhältnisse in der Prager Judenstadt herrschten, glich einem Ventil, das von Zeit zu Zeit die überschüssige Kraft der jüdischen Population entweichen ließ. Diese Elemehtarkatastrophen hatten jedoch nur eine Wirkung von beschränkter Dauer, denn die hohe Natalität der jüdischen Rasse und die starke Immigration, namentlich aus den Ostländern, füllten unausgesetzt die noch so klaffenden Bevölkerungslücken in verhältnismäßig knapper Zeit wieder aus, — jedenfalls viel rascher als dies bei dem christlichen Bürgervolke der Fall war, welchem mangels Freizügigkeit der bäuerlichen Bevölkerung ein Menschenzustrom vom Lande eingedämmt war. Die Pestplage vom Jahre 1680 nahm jedoch ungewöhnlichen Umfang an, und die Reduktion der Ghettobevölkerung, die sie im Gefolge hatte, überstieg bei weitem die Verluste, welche die Judenstadt in früheren Zeiten durch Pestkrankheiten erlitten hatte. Das Vorspiel der schrecklichen Pest wurde schon anfangs November des Jahres 1677 angekündigt, als der Altstädter Rat die Statthalter darauf aufmerksam machte, daß verläßlichen Nachrichten zufolge die Pestseuche in Polen ausgebrochen sei, namentlich in Warschau und Krakau, von wo die Bevölkerung, „größtenteils Juden, in andre umliegende Länder und Städte" flüchte. Die Schreiber an den Altstädter

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