Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 99)
- Language
- German
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95 2. Kapitel. Versuche einer Reduktion der Prager Juden zur Zeit der großen Pest i. J. 1680. Die Furcht vor der Pest i. J. 1677. — Das Einbrechen der Pest vom Balkan her in den Jahren 1678—80. — Errichtung einer Infektionskommtssion und Vorkehrungen gegen Einschleppung der Pest. — Die Übervölkerung des Ghettos und der erste Reduktionsplan (September 1679); Ernennung einer Judenreduktionskommission. — Konskription des Ghettos. — Der Plan einer völligen Vertreibung der Juden aus Prag. — Das zweite Reduktionsprogramm (Mai 1680). — Die Ergebnisse der natürlichen Reduktion durch die Pest. — Die Entstehung des Judenfriedhofes in Wolschan. Trotzdem seit der Mitte des XVII. Jahrhundertes die Zeichen einer wachsenden Reizbarkeit des christlichen Elements den Juden gegenüber sichtlich zunahmen und auch die Bemühungen der Ämter um Beschränkung des jüdischen Handels größeren Nachdruck gewannen, wenn auch nicht größere Wirksamkeit, so war doch bis zum Jahre 1679, soviel wenigstens bekannt, von kompetenter Seite das Programm nicht ausgesprochen worden, das seither bis in die Mitte des XVIII. Jahrhundertes wie ein Damoklesschwert über dem Prager Ghetto hing, das Programm, die Judenstadt auf den vorweißenbergischen Umfang zu verkleinern und die Zahl der Prager Judenschaft radikal einzuschränken, gegebenenfalls die Juden mit Kind und Kegel zu vertreiben. Doch die im vorhergehenden Kapitel flüchtig skizzierte Entwicklung der Verhältnisse ließ die vorweißenbergischen Reduktions- und Exstirpationspläne nicht in Vergessenheit geraten, mochte man auch in den maßgebenden Amtskreisen vorläufig keine Neigung zeigen, ihnen Gehör zu schenken. Es war nur natürlich, daß unter den Urhebern dieser Pläne die erste Stelle die Prag-Altstädter Gemeinde einnahm, die sich durch die nachweißenbergische Entfaltung des Ghettos am meisten betroffen fühlte und deren Handels- und Handwerkskreise durch die