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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 88

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 88 (sequence 92)
Language
German
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88 Prager Synagogen mit ihren Schulen, welche unter den Juden — nicht bloß den böhmischen — keinen eben schlechten Ruf genossen. Von einem tschechischen oder deutschen Charakter des Prager Ghettos — wie oben zitiert — läßt sich lediglich inbezug auf dessen Verkehr mit der christlichen Welt sprechen, das Hebräische bildete in jener Zeit — in viel höherem Grade als bei den Christen das Latein — immer noch die jüdische Kultursprache, deren sich die jüdische Literatur bediente. In der vorweißenbergischen Zeit gebrauchten die Prager Juden im Verkehre mit den Ämtern, namentlich aber mit dem Altstädter Magistrat, überwiegend die tschechische Sprache; die tschechische Mehrheit der Prager Altstadt zwang dann die Juden auch, ebenfalls im sonstigen Verkehr mit ihrer Umgebung das Tschechische anzuwenden. In der nachweißenbergischen Zeit bildete sich infolge der geänderten Verhältnisse im Verkehr mit den Ämtern und auch mit der übrigen christlichen Welt das Deutsche zur Umgangssprache der Juden aus. Daß die Prager Juden, welche durch lebhafte Handels- und Verwandtschaftsbeziehungen mit den Wiener Juden verbunden waren, bereits in der Zeit vor der Weißenbergschlacht auch Deutsch konnten, ist freilich selbstverständlich. 19) Bereits L J. 1622 errichtete Albrecht von Waldstein aus Judenbußgeldern eine Stiftung für diejenigen, welche vom Judentum zum Christentum übertreten würden; vgl. V. V o j t i s e k, Nadace Albrechta z Valdste jna pro neofyty z pokoleni zidovskeho (= Die Stiftung Albrechts von Waldstein für Neophyten aus jüdischem Geschlecht), im Kalendär cesko-zidovsky Jg. XXXII., S. 77—82, und K. S p i e g e 1 1. c. S. 118—9. 20) Am Vortage stellten die Statthalter an den Rektor des Prager Jesuitenkollegs, P. Martin Stridonius, das Ersuchen, mit den Judenpredigten sobald als möglich einzusetzen. 21) Mit Reskript dd. 25. Oktober 1630, worin auch betont wurde, daß nach der Meinung des Kaisers eine päpstliche Dispens nicht erforderlich sei. 22) Über diese Ereignisse unterrichtet einerseits das (vom 26. November datierende) Bittgesuch des verhafteten Rabbi Pinkas-Horwitz (seine Verhaftung erfolgte vermutlich in der zweiten Novemberhälfte 1630) um Freilassung aus der Haft (welches mir als vornemen rabinen solches despect die zeit meines lebens niemals beschehen), anderseits der vom Altstädter Richter Linhart Kurka Cholowsky von Korkynie (dd. präs. 9. Dezember 1630) der „in Sachen der jüdischen Parteiung" (roztrzitosti zidovske) verordneten Kommission vorgelegte Bericht, worin namentlich angeführt war: 1. daß Pinkas „sich zu der angefangenen Parteiung als erster unterschrieben und nach seinem Beispiel sich auch andere unterschrieben und dieser Parteiung angeschlossen" hätten; 2. daß Pinkas „andere Juden darin bestärkte . . das gefaßte Vorhaben ungescheut fortzusetzen und wahllos alle ihre Praktiken zur Durchführung ihrer Intention rücksichtslos anzuwenden, und ihnen im vorhinein davon die Absolution erteilte"; 3. „daß er (Pinkas) entgegen dem strengen Verbote J. G. der Herren Statthalter jüdische Bannflüche zur Besieglung solcher jetziger Parteiung hier unerhörte Bannflüche und zwar alles zwecks Unterdrückung der Wahrheit und Verschleierung ihres bösen und unziemlichen Vorhabens für gerecht anerkannt und solche allgemein in den Judenschulen habe verkündigen lassen." Laut einer der erwähnten Kommission mitgegebenen Instruktion sollte Pinkas im Verein mit andern Juden peinlich inquiriert werden. Diese Akten siehe in J 4/14 st.

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