Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 90)
- Language
- German
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86 schaftliche Stärke der Prager Judenschaft, die den verachteten Juden Schutz vor der äußersten Auswirkung des antisemitischen Programms bot, vor gewaltsamer Vertreibung. Die Juden ließen im Bewußtsein der Gewichtigkeit dieses ihres Wertes in jeder ihrer Beschwerde stereotyp als entscheidendes Verteidigungsgeschütz ihre Kontribution auffahren, vor der zuguterletzt Statthalter und böhmische Hofkanzlei kapitulierten, mochten auch sonst diese beiden Behörden grundsätzlich gegen die Juden eingenommen sein. Das jüdische Geld und die jüdische Zähigkeit, Ausdauer und Gewandtheit waren es, die den Juden nach der Weißenbergschlacht ihre Expansion ermöglichten und die auch später immer wieder ernste Gefahren, die namentlich seit dem Jahre 1679, dem ersten nachweißenbergischen Versuche einer gewaltsamen Reduktion bezw. völligen Extirpation der Prager jüdischen Ghettobevölkerung, über die Prager Judenstadt hereinzubrechen begannen, siegreich abwehrten. Anmerkungen zum 1. Kapitel. *) Abgedr. b. J. Celakovsk^, Codex juris municipalis regni Bohemiae, Bd. I., Nr. 259, S. 441—2, und Bondy — Dvorsky, Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien, Bd. I, Nr. 698, S. 509—10. 2) Bondy —Dvorsky, 1. c. Bd. IL, Nr. 979, S. 770—7. 3) In die Stimmung, welche während des böhmischen Aufstandes im Prager Ghetto platzgriff, gewährt einen bescheidenen Einblick eine zufällig erhaltene Sammlung von Briefen Prager Juden vom Ausgang des Jahres 1619, herausgegeben von A. Landau und B. Wachstein, Jüdische Privatbriefe aus dem J. 1619, Wien 1911. So schreibt z. B. Salamon Auerbach seinem Sohne Pinkas (1. c. S. 30): „Sol ich vil schreiben von unser Lage, sein mir oft am Märtyrertod gestanden, hat doch G. g. s. e. bis jetzt errettet, wert weiter auch erretten, aber kein Lebensunterhalt is durchaus nit." Bezeichnend bemerkt Sarel (1. c. S. 96): ,,un' is eitel Lug und Trug, was man sagt, kert euk nischt an die Gerede." Selbstredend sind auch diese Briefe vorsichtig geschrieben und vielmehr in Andeutungen: „wil nit weitschweifig sein: einer was nit, wem die Briefe in henden kumen (1. c. S. 20; vorher war der Wunsch ausgesprochen, Gott möge sich erbarmen und Gesundheit und Frieden verleihen). Vgl. auch K. Spiegel, Die Prager Juden zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in: Die Juden in Prag (Prag 1927), S. 115 f. 4) „Was sol ich weitschweifig sein un' schreiben, wie jetzt hie schwer is, un* ein Pfennig jetzt mer as in guten Zeiten ein Gulden, un" nit vil zu gewinnen un' vil mus man haben", schreibt i. J. 1619 aus Prag die Jüdin Henele (Landau-Wachstein, 1. c. S. 23). 5) Vgl. Z. Winter, Prazske ghetto S. 36 und V. V o j t i s e k. 0 rozsifeni zidovskeho mesta praZskeho r. 1622—1623 (— Die Erweiterung der Prager Judenstadt i. J. 1622—3) im Kalendaf cesko-zidovsky, Jg. XXXV (1915—6), S. 33. 5) Über Bassevi vgl. J. J i r e ö e k, Jakub Bas-sevi z Treuenburka im Casopis Ceskeho Musea, 1883, S. 325—30, und K. S p i e g e 1, 1. c. 138—43.