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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 80

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 80 (sequence 84)
Language
German
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80 offenbar das Wachstum des jüdischen Hasses allem Christlichen gegenüber, der übrigens auch an den Talmudkommentaren einen ausgezeichneten Nährstoff fand, die den Christenhaß für verbindlich und durch die Gebote der Lehre Mosis und seiner späteren Erklärer geheiligt erklärten. Die religiös-soziale Abneigung der jüdischen Rasse gegen die Christen mußte sich allerdings größtenteils auf heimliche Verwünschungen der Fanatiker beschränken und durfte sich nur ausnahmsweise in offenen Taten kundgeben. So kam es z. B. i. J. 1669 zu einem stürmischen Vorfall, aus dem die christenfeindliche Stimmung des Prager Ghettos klar zutage tritt. Als sich am 9. Juni, dem Gedächtnistage der Herabkunft des hl. Geistes, das christliche Volk zur Vesper in die Heiligengeistkirche der alten jüdischen Synagoge gegenüber begab, da „erfrechten" sich die Juden aus ihren die erwähnte Kirche umgebenden Häusern zu sehen, und es kam zu einer gegenseitigen Schlägerei; dabei wurden einige Personen durch Steine verletzt, welche so den schlagenden Beweis der gegenseitigen Feindschaft lieferten. Dem Stadtrichter wurde aufgetragen, die jüdischen Urheber der Ausschreitung auszuforschen und streng bestrafen zu lassen, und den Juden war in der Folge mit allem Nachdruck verboten, während gottesdienstlicher Handlungen in der Heiligengeistkirche aus ihren Häusern auszuschauen.66) Mochte auch die Nachbarschaft der Alten Synagoge und der Heiligengeistkirche zu ähnlichen gewaltsamen Zusammenstößen die allergünstigste Gelegenheit bieten, so kam es zu Reibereien und Handgreiflichkeiten auch an andern Orten. Fast gleichzeitig mit dem Zusammenstoß bei der Heiligengeistkirche wurde die Affäre mit dem Talmuddruck aufgedeckt. Auch unter den Juden gab es Denunzianten, namentlich fiskalische Spezialisten, außerdem aber wurden jüdische Geheimnisse von jenen verraten, die vom Judentum zum Christentum übergetreten waren.67) Die Statthalter wurden also vertraulich in Kenntnis gesetzt, daß in einer Prager jüdischen Druckerei gegen 1200 Talmudexemplare gedruckt worden seien, eines Buches, das unter den allerstrengsten Strafen von der weltlichen und der geistlichen Obrigkeit verboten war. Weil außerdem der Verdacht bestand, daß die Juden im geheimen noch andere vom Standpunkte des Christentums anstößige religiöse Bücher mit Ausfällen gegen Christus und die Jungfrau Maria drucken, so befahlen die Statthalter am 1. August 1669 dem Altstädter Richter, beide jüdische Druckereien auf der Stelle amtlich zu sperren und alle darin vorfindlichen Bücher zu konfiszieren.68) Zu genauer Untersuchung dieser Angelegenheit wurde eine dreigliedrige Kommission eingesetzt und der Erzbischof ersucht, des Hebräischen gut kundige Theologen namhaft zu machen, welche den Inhalt der beschlagnahmten Bücher genau studieren

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