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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 68

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 68 (sequence 72)
Language
German
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68 es wäre daher ungerecht, ihnen etwas, was den andern bewilligt worden war, zu entziehen.40) Als dann die Statthalter mit Erstattung ihres Berichtes nicht eilten und die Gläubiger den Juden hart zusetzten, indem sie ihnen mit der Exekution ihrer Synagogen und Läden drohten, wurde mit Reskript vom 24. November 1646 das Exekutionsrecht gegen jüdische Schuldner vorderhand suspendiert. Die hohe Steuerpflicht der böhmischen und namentlich der Präger Judenschaft zur Zeit des 30jährigen Krieges, die auf einer hohen Einschätzung der jüdischen Bevölkerungszahl Böhmens beruhte, führte zum Versuch, alle Juden genau zu konskribieren, zunächst einmal die Prager. Es war dies m. E. der erste Versuch, der sich nicht wie alle bisherigen Konskriptionen bloß auf die Judenkontribuenten erstrecken, sondern alle Juden ohne Unterschied des Lebensalters und Geschlechtes umfassen sollte. Den unmittelbaren Anstoß zu dieser Zählung der Juden gab i. J. 1635 ein Protest der Juden, die sich gegen die Einschätzung wehrten, als lebten in Böhmen 14.000 kontributionspflichtige Juden. Sicherlich setzten sich die Juö^en gegen diese hohe Einschätzung mit Recht zur Wehr. Bereits im Oktober 1635 gaben die Statthalter einer eigenen dreigliedrigen Kommission mit dem Altstädter Richter an der Spitze den Auftrag, persönlich die gesamte jüdische Bewohnerschaft im Prager Ghetto zu konskribieren, aber erst i. J. 1638 wurde aufgrund eines neuerlichen statthalterischen Auftrags die Zählung wirklich durchgeführt. Nach dem erhaltenen Berichte des Altstädter Richters Wenzel Worzikowsky von Kundratitz wurden damals im Ghetto an Juden ohne Unterschied des Geschlechtes und Alters insgesamt 7.815 Personen gezählt. Das detailierte Zählungselaborat, das den Statthaltern vorgelegt wurde und das zweifellos einen tieferen Einblick in die Populationsverhältnisse der Prager Judenstadt gewähren würde, ist leider nicht mehr vorhanden.41) Wie ein Vergleich mit den sonstigen Populationsverhältnissen jener Zeit ergibt, war die Bevölkerungsdichte des Prager Ghettos entschieden groß. Doch die Pestepidemie, die in Prag fast unmittelbar nach dieser Zählung ausbrach (i. J. 1639), hatte eine sehr bedeutende Reduktion der jüdischen Bevölkerung zur Folge. Um das Christenvolk vor der schrecklichen Infektion zu schützen, wurde von den Behörden angeordnet, die Judenstadt vollständig zu isolieren, und die Juden waren ganz ihrem harten Schicksal preisgegeben. Gleich nach dem Erlöschen der Pest zeigten die Juden an, daß der ansteckenden Krankheit so gut wie die Hälfte der Ghettobevölkerung zum Opfer gefallen sei,42) und wir haben keine Ursache, diese Angabe anzuzweifeln, wenn wir bedenken, daß die Judenstadt schon damals übervölkert und die hygienischen Verhältnisse darin mehr als primitiv waren. Ein Vergleich mit den Ver-

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