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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 61

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 61 (sequence 65)
Language
German
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61 düng geistlichen Gegenreformationszwanges, ja dieser befestigte in ihm noch mehr die Treue zum mosaischen Glauben und verhärtete die Bewohner noch mehr gegen die christliche Gesellschaft. In der kommenden Friedenszeit beschränkte sich die Tätigkeit katholischer Eiferer, namentlich aber des Jesuitenordens, darauf, bei einzelnen Juden die Belehrung zum christlichen Glauben zu versuchen; namentlich richtete man bei diesen Bestrebungen die Aufmerksamkeit auf die jüdischen Kinder, welche mit unterschiedlichen, nicht immer gerade korrekten Mitteln gewonnen, dann getauft und in katholischen Familien auferzogen wurden. Diese Bestrebungen führten natürlich nicht selten zu Übergriffen und gaben den Juden Veranlassung, über geistlichen Zwang zu klagen. Der Fall Simon Abeles, den die Jesuiten in den Dienst schreiender judenfeindlicher Propaganda stellten, hat durch seinen dramatischen Verlauf am meisten Lärm verursacht, er war aber nicht einzig in seiner Art, mochte auch sonst auf beiden Seiten die Form weniger gewaltsam und grausam sein. Wie den Juden der Abfall vom Väterglauben als das allergrößte Verbrechen galt, das völlig und für immer alle Bande der Verwandtschaft und Blutsfreundschaft zerriß und das mit dem Tode bestraft werden konnte, ja sollte, so konnte auf der andern Seite der getaufte Jude lange, solange die Erinnerung an seine Konversion fortlebte, kein gleichwertiges Glied der christlichen Gesellschaft werden. Schon das übliche Epitheton: getaufter Jud, das viel mehr beinhaltete als die bloße Feststellung der Konversion, zeigt, daß die Christen auf diese Überläufer aus dem jüdischen Lager mit Mißtrauen blickten und sie mitunter sehr ungern, manchmal gar erst auf amtliches Einschreiten, in ihre Mitte aufnahmen.25) Auch der nachweißenbergischen christlichen Gesellschaft war es klar, daß durch die Taufe der Jude keineswegs seine Rasseneigentümlichkeiten verliert, um derentwillen er vor allem verhaßt war. Darin liegt wohl der meistenteils unterbewußte Grund der erwähnten Abneigung. Waren also die Bemühungen des gegenreformatorischen Katholizismus um Verchristlichung der Juden im großen ganzen erfolglos, so fühlte sich auch auf der andern Seite die christliche Gesellschaft vor einem religiösen Einfluß des Ghettos verhältnismäßig sicher. Diesem Bewußtsein verlieh i. J. 1689 der Kleinseitner Hauptmann Karl von Goltz Ausdruck, indem er den Zuzug fremder Lutheraner und Kalviner als eine größere Gefahr für das damalige Prag erklärte denn das Verbleiben der Juden. Das Prager Ghetto, von der Christenstadt nicht bloß durch Tore und besondere Polizeivorschriften geschieden, sondern vor allem durch die gegenseitige Abneigung, äußerte religiös nicht einmal auf jene Christen eine Wirkung, die in jüdischen Diensten standen und sogar in der Judenstadt wohnten. Der grundsätzliche Unterschied

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