Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 64)
- Language
- German
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60 Sabbats; es spiegelte sich darin eben das Selbstbewußtsein des Gegenreformationsgeistes, der jüngst über einen viel zahlreicheren Feind einen so glänzenden Triumph gefeiert hatte. Natürlich stieß dieser Plan der gegenreformatorisch gestimmten Regierung im Ghetto auf heftigen Widerstand, dessen Ausgangspunkt die Synagogen und Judenschulen waren; Rabbi Pinkas stellte sich an die Spitze der Bewegung. Falls ich die nicht allzu klare Nachricht richtig deute, verpflichtete sich unter seiner Führung das Prager Ghetto feierlich zur Treue an den angestammten Glauben, und die Androhung schweren Bannes, in den Synagogen verkündet, sollte die Treue befestigen. Die Aktion Pinkas' blieb freilich den christlichen Ämtern nicht verborgen. Rabbi Pinkas» als „der vornehmlichste Rädelsführer des jetzigen Zerwürfnisses" wurde verhaftet und vor einer besonderen Kommission22) inquiriert. Gleichzeitig aber wurde auf kaiserlichen Befehl nach jüdischen Winkelschulen23) gefahndet. So war der Mann, der den Widerstand im Ghetto gegen die vorbereitete Katechese der Juden im christlichen Glauben organisiert hatte, beseitigt. Zweifellos wurde auch sonst die Aufsicht über das aufrührerische Ghetto verschärft. Darüber, wann — wenn überhaupt — wirklich mit den angeordneten Samstagpredigten ein Anfang gemacht wurde, sowie über ihren Verlauf und ihre Dauer liegen keine Nachrichten vor; schon zu Beginn des XVIII. Jahrhundertes war die amtliche Judenkommission, die sich für diese Angelegenheit interessierte,24) nicht in der Lage, sich Auskunft zu verschaffen. Soviel steht jedoch entgegen der übereinstimmenden Meinung der bisherigen Literatur fest, daß schließlich für die Judenpredigten nicht die Kirche Maria an der Lausche ausersehen war, sondern die Schule bei St. Niklas. Die den Juden auferlegte drückende Verpflichtung liatte jedoch gewiß weder den erwünschten Erfolg noch langen Bestand. Der Sachseneinfall unterbrach die Tätigkeit der königlichen Behörden und nach dem Abzug des feindlichen Kriegsvolks aus Böhmen hatten die Ämter andere, größere Sorgen, als die Juden durch Belehrung über die Grundsätze des Christentums für den Katholizismus zu gewinnen. Zwar machte noch während des 30jährigen Krieges der Benediktinerabt Zdislaus Berka von Duba den Versuch, die Massenkatechese Ferdinands II. zu erneuern, jedoch natürlich wieder ohne bemerkenswerten Erfolg. Der Verlust einiger weniger Individuen, die sich durch diese christliche Katechese hatten gewinnen und durch gewisse Vorteile verlocken lassen, welche die Konversion mit sich brachte, erregte zwar im Ghetto leidenschaftliche Erbitterung und entfachte auf eine Zeitlang den religiösen Fanatismus, hatte jedoch keine weitreichendere Bedeutung; das Prager Ghetto widerstand im ganzen siegreich der Bran-